Berlin - Katja Riemann (43) kann sich über Arbeitsmangel nicht beschweren. Im Dezember trat sie mit Johannes Heesters (103) bei einer Show im Berliner Admiralspalast auf, im Januar war sie die Eva Braun in der Hitler-Komödie "Mein Führer" und hatte darin eine denkwürdige Bettszene. Derzeit ist die Schauspielerin in "Das wahre Leben" im Kino zu sehen, außerdem spielt sie in der Verfilmung von Martin Walsers "Ein Fliehendes Pferd" mit. Am Sonntag feierte sie das Premierenpublikum mit "Bravo"-Rufen für ihren Auftritt in Ingmar Bergmans "Szenen einer Ehe" in der Komödie am Kurfürstendamm.

2007 scheint ein prallvolles Jahr für die Schauspielerin ("Der bewegte Mann", "Rosenstraße") zu werden, die in ihrer Karriere viel Lob und eine ganze Reihe Preise einheimste, der aber auch in den Medien das Etikett einer Diva anhaftet. In der Theaterfassung des legendären Bergman-Films kann Riemann zeigen, was in ihr steckt. Sie ist mal verletzlich, mal enthemmt, quäkend und tobend, dann wieder rasend vor Schmerz oder ganz anschmiegsam. Mit Peter René Lüdicke, mit dem sie bereits unter der Regie von Amina Gusner in Ibsens "Hedda Gabler" im Potsdamer Hans Otto Theater spielte, hat sie einen Bühnenpartner auf Augenhöhe.

"Szenen einer Ehe" zeigt prototypisch, was vielen Paaren passiert, die lange verheiratet sind und sich im Alltag entfremden. Die Liebe kommt Marianne (Riemann) und Johan (Lüdicke) abhanden, bis der Mann sich schließlich in eine Jüngere verliebt und dann auch noch dafür bemitleidet werden will. Regisseurin Gusner bringt ein bisschen Pop an den Kudamm: ein minimalistisch-kühles Bühnenbild (Johannes Zacher) mit großen Leuchtkästen und dezente elektronische Musik lassen den Schauspielern viel Raum.

Sarkasmus statt Schmerz

Das Stück des inzwischen 88-jährigen schwedischen Regisseurs ("Das Schweigen", "Fanny und Alexander") entstand 1972/73 als sechsteilige Fernsehserie. 1974 folgte eine Kinofassung, 1981 eine Bühnenversion am Münchner Residenztheater. Wo Bergmans mehrstündiger Film mit Liv Ullmann leise und schmerzhaft ist, setzt die Berliner Inszenierung auf Lacher, Sarkasmus und bittere Einsichten, leicht skurrile Sex-Szenen inklusive. Am Ende ist klar, dass das Paar zwar nicht miteinander glücklich sein kann - aber getrennt und ohne einander auch nicht.

Zur Premiere kamen neben Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) Gäste wie Produzent Artur Brauner und Dramatiker Rolf Hochhuth, der als Unterstützer der Kudamm-Bühnen gilt. Auch Riemanns Schauspielkollegin Jasmin Tabatabai ("Bandits") saß im Publikum. Die Reaktionen nach dem 90-minütigen Stück waren begeistert. "Ich bin hin und weg", sagte Heinrich Schafmeister ("Comedian Harmonists"). "Ein großartiger Abend", schwärmte Manon Straché ("Girl Friends"), die sogar das Bühnenerlebnis der Leinwand vorzieht. "Den Film fand ich immer langweilig." (Von Caroline Bock, dpa)

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