Bagdad/Kairo - Bei einer Studie im Auftrag der Sender ARD, BBC, ABC und der Zeitung "USA Today" gaben 74 Prozent der Iraker an, sie fühlten sich in ihrer eigenen Nachbarschaft nicht mehr sicher - im November 2005 waren es nur halb so viel. 82 Prozent der Befragten erklärten, sie hätten kein Vertrauen in die ausländischen Truppen. 78 Prozent lehnen laut Umfrage die Anwesenheit der Amerikaner und ihrer Verbündeten ganz ab. Auffallend ist auch der zunehmende Pessimismus: Nur noch 42 Prozent der Befragten glauben demnach, dass es ihre Kinder einmal besser haben werden. 30 Prozent der Iraker würden das Land am liebsten verlassen.

US-Außenministerin Condoleezza Rice äußerte zum 4. Jahrestag des Kriegsbeginns im Irak (20. März) Verständnis für die Enttäuschung vieler Iraker und US-Bürger. Es sei aber ein sehr schwieriger Prozess, ein Land aus Tyrannei und Gewalt zu einem Punkt zu bringen, an dem alle Probleme politisch gelöst werden, sagte Rice dem US-Fernsehsender ABC. Erneut wurden am Montag mehr als 20 Menschen binnen weniger Stunden bei Anschlägen getötet, mehr als 50 Iraker wurden verletzt. Bei der Explosion von zwei Autobomben in der nordirakischen Stadt Kirkuk starben 15 Menschen. Nach Angaben der Polizei wurden 32 weitere Iraker verletzt, als die Bomben in der Nähe einer Polizeistation und neben einer Polizeipatrouille detonierten.

Attacken auf ausländische Soldaten werden gebilligt

In der Hauptstadt Bagdad starben fünf Menschen durch die Explosion eines Sprengsatzes neben einer schiitischen Moschee. Im zentralen Busbahnhof der Stadt Chalis nördlich von Bagdad kam ein Zivilist ums Leben, als Bewaffnete aus einem vorbeifahrenden Auto das Feuer auf mehrere Menschen eröffneten. In Chanakin nahe der iranischen Grenze wurden drei irakische Soldaten von einem Selbstmordattentäter verletzt.

Der Vorsitzende der Schiiten-Partei Hoher Rat für die islamische Revolution im Irak (Sciri), Abdul Asis al-Hakim, beharrt derweil auf seinem Plan für eine schiitische Autonomieregion im Süd- und Mittelirak. Dies wäre eine angemessene "Entschädigung" für die Menschen, die jahrzehntelang unter dem Diktat der Baath-Partei von Ex-Präsident Saddam Hussein gelitten hätten. Die Mehrheit der irakischen Sunniten lehnt eine Autonomieregion im Süden nach dem Vorbild der kurdischen Autonomieregion im Nordirak ab. Auch unter den Schiiten wächst die Zahl der Gegner dieses Konzeptes.

Die Umfrage zum Jahrestag der amerikanisch-britischen Invasion zeigt, dass die Sunniten und die Schiiten, die unter dem Regime des Sunniten Saddam diskriminiert worden waren, die Anwesenheit der US-Truppen unterschiedlich wahrnehmen. Insgesamt erklärten 51 Prozent aller Befragten, Angriffe auf die ausländischen Soldaten seien legitim. Von den Sunniten hielten 94 Prozent diese Attacken für richtig. (tso/AFP/dpa)

mehr Nachrichten »