Potsdam - Der so genannte Kannibale von Rotenburg, Armin Meiwes, hat gegen seine lebenslange Haftstrafe Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht eingereicht. Das Urteil sei unverhältnismäßig und verstoße gegen die Grundrechte, sagte der Potsdamer Strafrechts-Professor Wolfgang Mitsch. Es gehe aber in der Beschwerde nicht darum, ob die Gerichte das Strafrecht richtig angewandt hätten. "Der Fall ist juristisch sehr interessant."

Mitsch zufolge sollen die Karlsruher Richter darüber entscheiden, ob die lebenslange Haftstrafe Grundrechte von Meiwes verletzt. Dabei gehe es vor allem um die Artikel 1 bis 3 des Grundgesetzes, den Schutz der Menschenwürde, die freie Entfaltung der Persönlichkeit und den Gleichheitsgrundsatz. Zum Beispiel sei gegen den Gleichheitsgrundsatz verstoßen worden, indem strafmildernde Umstände nicht berücksichtigt wurden. Bei jedem anderen Straftatbestand würden aber die Einwilligung und die Mitwirkung des Opfers strafmildernd wirken.

Anwalt: Tötung auf Verlangen

Das Landgericht Frankfurt/Main hatte Meiwes am 9. Mai 2006 wegen Lustmordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Der damals 44-jährige Angeklagte habe seinen Geschlechtstrieb befriedigen wollen, als er am 10. März 2001 einen Ingenieur aus Berlin entmannte, tötete und zum Teil aß, begründeten die Richter ihre Entscheidung.

Im Februar dieses Jahres wies der Bundesgerichtshof die Revision des Verurteilten zurück. Dabei hatte der Anwalt geltend gemacht, die Tat sei nur als Tötung auf Verlangen zu werten, weil das Opfer mit der Tötung einverstanden gewesen sei. (tso/dpa)

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