Dresden - Die Stadt Dresden hat bei ihrer Suche nach einem Kompromiss im Streit über den Bau der Waldschlösschenbrücke im Unesco-Welterbe Elbtal unerwartet noch einmal Zeit gewonnen. Die Vergabekammer des Freistaates Sachsen in Leipzig entschied, dass ein Teil des Verfahrens zur Vergabe von Bauaufträgen wiederholt werden muss. Sie folgte damit dem Antrag einer im Bieterverfahren unterlegenen Baufirma und forderte die Stadt auf, die vorliegenden Angebote für den entsprechenden Teil des Projekts neu zu bewerten.

Im ersten Wertungsvorgang sei es versäumt worden, alle wichtigen Kriterien zu berücksichtigen, teilte die Kammer zur Begründung mit. Die Entscheidung über die Prüfung eines weiteren Vergabeverfahrens werde bis Ende kommender Woche getroffen. Um das rund 160 Millionen Euro teure Brücken-Projekt wird seit Monaten gestritten. Wird die Flussquerung wie geplant gebaut, droht dem Dresdner Elbtal der Verlust des Unesco-Welterbetitels.

Stadt will Kompromissvorschlag

Kurz vor der Entscheidung der Vergabekammer hatte die Stadt erneut an das Regierungspräsidium Dresden appelliert, einen geplanten Kompromissvorschlag zu ermöglichen. Dieser sieht vor, bis Anfang Juni eine mit dem Welterbe verträgliche Brücke zu entwerfen. Das ist aber nur möglich, wenn der Bauauftrag für die Flussquerung bis dahin nicht vergeben werden muss. Darüber entscheidet das Regierungspräsidium.

Bislang habe die Stadt nicht das Gespräch gesucht, hieß es dazu am Nachmittag aus der Behörde. Wenn die Vergabekammer das Verfahren nicht beanstandet hätte, hätte sofort mit dem Bau begonnen werden müssen. Das Sächsische Oberverwaltungsgericht hatte kürzlich die Vergabe der Bauaufträge angewiesen, damit der Bürgerentscheid pro Brücke von 2005 vollzogen wird. Ein Beschwerde gegen das Urteil vor dem Sächsischen Verfassungsgerichtshof scheiterte am vergangenen Donnerstag.

Architekten erarbeiten neue Vorschläge

Nach Angaben von Dresdens Baubürgermeister Herbert Feßenmayr (CDU) arbeiten seit dem Wochenende sieben renommierte Architektur- und Ingenieurbüros an neuen Brückenentwürfen. Unter ihnen sind der Niederländer Ben van Berkel und das Büro Feichtinger Architectes (Wien/Paris). Bis zu drei Vorschläge sollen bis zum 14. Juni an das Welterbekomitee geschickt werden. Die Abgabefrist für die Büros endet bereits am 4. Juni. Ob die Architekten sich an "genialen Lösungen" versuchten oder eher bescheidene Änderungen am bisherigen Entwurf vornähmen, sei ihnen überlassen werden, sagte Feßenmayr. Es dürfe allerdings kein neues Planfeststellungsverfahren notwendig werden.