Kiel - Die Krise der großen Koalition in Schleswig-Holstein hat sich zugespitzt. Führende Mitglieder des Regierungsbündnisses aus CDU und SPD in Schleswig-Holstein suchten am Montagabend in Kiel nach einem Ausweg. Informationen über den Verlauf der Krisenrunde lagen am Abend auch Stunden nach Beginn noch nicht vor.

Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) hatte den Innenminister und SPD-Landeschef Ralf Stegner vor wenigen Tagen scharf attackiert und mit Koalitionsbruch gedroht. Die CDU sprach von einer dramatischen Lage und warf Stegner vor, er wolle den verabredeten Sparkurs verlassen. Außerdem stand der Innenminister wegen seines forschen Stils in der Kritik. Das Verhältnis zwischen ihm und Carstensen war stark angespannt.

Sozialdemokraten: Überreaktion

Den Koalitionskrach hatte Stegner mit dem Vorschlag ausgelöst, mit Steuermehreinnahmen die vollzogenen Gehaltskürzungen für Beamte abzumildern. Die CDU sah eine Abkehr vom verabredeten Sparkurs, zudem fühlte sich Carstensen von Stegners Vorgehen erneut persönlich brüskiert. Viele Sozialdemokraten werteten die Attacken von CDU-Politikern auf Stegner als Überreaktionen.

Auf die Frage, ob die Koalition noch zu retten sei, sagte Stegner unmittelbar vor der Krisenrunde: "Das ist überhaupt keine Frage, die sich stellt." Umweltminister Christian von Boetticher (CDU) bekräftigte, die Stimmung in seiner Partei sei angespannt und sehr ernst. Zugleich sagte er aber, wenn die Scherben nicht mehr zu kitten wären, "müssten wir uns nicht mehr treffen".

CDU will angeblich Stegner rauswerfen

Die CDU-Spitzen hatten Carstensen im Hinblick auf Stegner nach dpa-Informationen Rückendeckung für jede Entscheidung gegeben. Dabei soll es starke Stimmen für einen Rauswurf des SPD-Politikers aus dem Kabinett gegeben haben - einen Koalitionsbruch einkalkulierend. Im Falle einer Neuwahl des Landtages sehen viele Christdemokraten sehr gute Chancen für ihre Partei.