Berlin - Kempowskis Archiv sei "eine der bedeutendsten Leistungen der deutschen Literatur", sagte Köhler nach einem vorab verbreiteten Redetext bei der Eröffnung einer Ausstellung über den Schriftsteller. Die Schau in der Akademie der Künste, die am Samstagabend eröffnet wurde, stützt sich auf das umfangreiche Archiv des 78-Jährigen. Gezeigt werden etwa 1600 Exponate zu Leben und Werk des Schriftstellers. Der krebskranke Kempowski liegt im Krankenhaus und kann nicht an der Eröffnung teilnehmen.

Die Ausstellung sei "mit großer Subtilität und Kenntnis, vor allem aber mit großer Liebe zu seinem Werk" gestaltet worden, sagte Köhler. "Das Vergangene sammeln, bewahren und für die Gegenwart zum Sprechen zu bringen", sei das "Signum" von Kempowskis Lebenswerk. Köhler bezeichnete Kempowski als "Volksdichter" und als "Ein-Mann-Geschichts- und-Erinnerungskultur-Unternehmen". Er habe sein Werk "weitgehend im Alleingang" bewältigt.

"Ich laufe rum wie die Feuerwehr"

Kempowski bedauerte tief, nicht bei der Eröffnung dabei zu sein. "Ich bin stabil, zum Reisen ist es aber leider nicht ausreichend", sagte er. "Ich laufe rum wie die Feuerwehr, überall sind Schläuche." Der Autor freut sich jedoch, dass seine Frau bei der Eröffnung dabei sein kann. Auch im Krankenbett ist Kempowski weiter kreativ und schreibt Tagebuch. "Ich kann sicher nach Hause zwischendurch", gab er sich optimistisch.

Für den Schriftsteller ist die Ausstellung über sein Leben und Werk der Höhepunkt seines Lebens, sagte seine Frau Hildegard. "Wir haben uns jetzt entschieden, dass ich zu der Ausstellung fahre, für ihn ist das eine zu große Aufregung und Anstrengung."

8000 deutsche Lebensläufe

Die Akademie hat das Archiv Kempowskis erworben. Archivdirektor Wolfgang Trautwein sprach von einem "Jahrhundertarchiv", das mit insgesamt 500 Metern Regallänge "das größte umfassende Einzelarchiv" und eines der bedeutendsten Schriftstellerarchive überhaupt sei. Dazu gehören allein 8000 deutsche Lebensläufe quer durch alle Gesellschaftsschichten. Das Archiv gehört zu den meist genutzten der Berliner Akademie. Ihr hatte der Autor 2005 rund 3,5 Millionen Archivblätter übergeben.