Bislang war ein Konzert des West-Eastern Divan Orchestras in Ramallah undenkbar. Wenn das Orchester am 21. August 2005 erstmals in den Nahen Osten reist, kommt dies einer Sensation gleich.

Das Konzert in Ramallah gilt als Höhepunkt in der sechsjährigen Geschichte des von Daniel Barenboim und dem Schriftsteller Edward Said ins Leben gerufenen Orchesters . Das weltweit beachtete Ensemble besteht aus jungen, hochbegabten Musikern aus Israel, Palästina, Syrien, Libanon, Jordanien, Tunesien, Ägypten und Europa. Das Orchester will den Dialog zwischen den Kulturen des Nahen Ostens durch die Erfahrung gemeinsamen Musizierens ermöglichen. "Das eigentliche Ziel wird erst erreicht, wenn das Orchester in all jenen Ländern auftreten kann, aus denen die jungen Musiker stammen. Dieses Konzert in Ramallah ist ein enorm wichtiger Schritt auf diesem Weg", sagt Daniel Barenboim.

Ein Schritt auf dem Weg, wie ihn Barenboim sieht: Vorurteile überwinden, Feindbilder abbauen, einander kennen lernen, das Verbindende im Verschiedenen entdecken, zur Versöhnung beitragen. In dem Bemühen, die Welt mit Hilfe der Musik zu einem etwas besseren Ort zu machen, hat sich der Dirigent und Pianist bislang weder von bürokratischen Hindernissen noch von persönlichen Anfeindungen abschrecken lassen. Noch immer machen ihm Israelis – darunter Staatspräsident Mosche Katzav – zum Vorwurf, dass er im Sommer 2001 in Israel die Ouvertüre aus Wagners Tristan und Isolde aufführte.

Seine Klavier-Konzerte in Ramallah stießen ebenfalls auf Ablehnung: Er fraternisiere mit dem Feind, werte Palästina auf, musste er sich anhören. Und als ihm im Mai 2004 in der Knesset trotz des Widerstands einiger Abgeordnete der Wolf-Preis überreicht wurde und er die Gelegenheit nutzte, die Palästina-Politik Israels zu kritisieren, kam es prompt zum Eklat.

Arte und Deutschlandradio Kultur übertragen das Konzert in Ramallah live am Sonntag, den 21. August, um 19.00 Uhr

Außerdem sendet Arte folgende Sendungen:

Von der Vielfalt des Seins - Begegnungen mit Daniel Barenboim
Eine Dokumentation von Paul Smaczny über Musik, über das Musizieren und über einen bemerkenswerten Musiker
Sonntag, den 14. August, um 23:55 Uhr

Wir können nur den Hass verrringern – Daniel Barenboim und das West-Eastern Divan Orchestra
Der Film begleitet in einer Langzeitdokumentation das Orchester seit seiner Gründung bis zum ersten öffentlichen Konzert des West-Eastern Divan Orchestras im Nahen Osten im letzten Sommer
Samstag, den 20. August 2005, um 22.30 Uhr