Sieben führende Sachverständige haben an diesem Dienstag den 7. Familienbericht vorgelegt. Er wird etwa alle fünf Jahre erstellt und soll Bundesregierung und Parlament Handlungshilfen für die Familienpolitik geben. Das Ziel aller Parteien ist es, der niedrigen Geburtenrate in Deutschland entgegenzuwirken. Der 500-Seiten-Bericht kommt nun zu dem Ergebnis, dass dafür ein ganzes Bündel neuer Maßnahmen notwendig ist.

Vor allem junge Akademiker hätten Schwierigkeiten, die Familiengründung mit dem Berufseinstieg zu verbinden, sagte der Vorsitzende des Expertengremiums, Hans Bertram. "Wer ein Studium mit 27 oder 28 Jahren abschließt, muss zunächst sehen, dass er eine adäquate Position bekommt", sagte der Mikrosoziologe. Dadurch verkürze sich der Zeitraum, der Paaren bleibe, um eine Familie zu gründen. Aus diesem Grund begrüßte Bertram eine gestufte Ausbildung, bei der Auszubildende und Studenten früher in das Berufsleben starten können.

Bertram tritt auch für ein Elterngeld ein, das den Lohn in Zeiten der Kindererziehung ersetzen soll. So könne man den Lohneinbußen junger Eltern wirksam begegnen. Das Elterngeld solle vom Einkommen abhängig gemacht werden. Dafür spricht sich auch Familienministerin Renate Schmidt aus. Zudem plädiert Bertram für das „Optionszeitmodell“, das es Eltern erlaube, sich eine Auszeit zu nehmen, um sich der Kinderbetreuung widmen zu können. Empfindliche finanzielle Einbußen und Nachteile in der Karriere sollen so vermieden werden. Wer solche "Auszeiten" nimmt, soll diese Zeit am Ende der regulären Lebensarbeitszeit anfügen können, um etwa bei der Rente keine Einbußen zu erleiden.

Kindergärten statt Großeltern

Der Bericht prangert auch die fehlenden Betreuungsangebote für Kinder in Deutschland an. Nur rund die Hälfte aller Kinder unter sechs Jahren wird nach einer Untersuchung des Bundesfamilienministeriums in einem Kindergarten oder in der Tagespflege betreut. Bei mehr als zwei Fünfteln der Kinder würden immer noch Familienangehörige wie die Großeltern damit betraut, die Kinder zu hüten. Vor allem in Westdeutschland gäbe es für die Ein- bis Dreijährigen viel zu wenig Betreuungsplätze – eine Situation, die junge Paare zusätzlich davor zurückschrecken lasse, sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen.

Das Nachsehen haben die Beamten: ihnen soll der Kinderzuschlag gestrichen werden. Der Staat subventioniere bisher seine Staatsdiener mit einem Kinderzuschlag, der allein über vier Milliarden Euro jährlich ausmache. "Dieses Geld könnte zum Beispiel allen Familien zur Verfügung gestellt werden", schreiben die Sachverständigen. Das Expertengremium schlägt zudem vor, auch Eigenheimzulage und Baukindergeld zu streichen und künftig für "gezielte Familienpolitik" einzusetzen.