Der katastrophale Geisterflug einer zyprischen Boeing 737-300 mit 121 Todesopfern gibt den Ermittlern weiter Rätsel auf. Einen Tag nach der Katastrophe nahe der griechischen Hauptstadt war am Montag noch unklar, warum Piloten und Passagiere der Maschine am Sonntag auf dem Flug von Larnaka nach Athen das Bewusstsein verloren. Die Behörden vermuten einen Defekt der Klimaanlage. Auf Zypern herrschte unter den Menschen am Montag Trauer und Entsetzen. Die Regierung ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. Einen Anschlag schloss die griechische Regierung aus.

Die Maschine der zyprischen Fluggesellschaft Helios Airways war mit Autopilot so lange im Kreis über Athen geflogen, bis der Treibstoff ausging. Dann war sie nahe einem Dorf 10 Kilometer vom Flughafen entfernt zerschellt.

Medien spekulierten über mögliche Sicherheitsmängel. Bei der Maschine habe es bereits früher Probleme mit der Klimaanlage gegeben. Die Mutter des Co-Piloten sagte dem griechischen Fernsehsender MEGA- Channel, ihr Sohn habe sie darüber informiert, dass es gefährlich sei, das Flugzeug zu fliegen. Zyperns Verkehrsminister Haris Thrassou sagte dazu: "Wer davon wusste und nichts gesagt hat, trägt auch einen Teil der Schuld für das, was geschehen ist." Zyprische Medien hatten zudem berichtet, dass Techniker der Helios Airways kündigen mussten, nachdem sie sich geweigert hatten, ihre Unterschriften unter die Tauglichkeits-Bescheinigungen für die Maschine zu setzen. Die Airline wies die Vorwürfe zurück.

Am Montag sind keine Maschinen von Helios aus Larnaka gestartet. Nach einem Bericht der staatlichen zyprischen Nachrichtenagentur CNA hat die Regierung aber kein Flugverbot gegen die Gesellschaft verhängt. Die Besatzung einer Maschine habe sich geweigert abzufliegen. Danach hätten mehrere Passagiere ihre Flüge annulliert und ihr Geld zurückgefordert.

Rettungskräfte fanden am Montag den Stimmenrekorder der Unglücksmaschine. Das Gerät, das Gespräche und Geräusche im Cockpit aufnimmt, sei schwer beschädigt, hieß es im griechischen staatlichen Fernsehen. Bereits am Sonntag war der Flugdatenschreiber entdeckt worden. Diese Black Box soll in Paris ausgewertet werden. Experten des amerikanischen Flugzeugbauers Boeing sind am Montag in Athen eingetroffen, um bei den Ermittlungen zu helfen. Dies gab der Direktor der zuständigen griechischen Behörde, Akrivos Tsolakis, bekannt. "Mit einem ersten Ergebnis rechnen wir in den kommenden Tagen. Eine endgültige Klärung wird jedoch länger dauern", sagte Tsolakis im Fernsehen.

Die zyprische Regierung hat am Montag die Namensliste der Opfer veröffentlicht. Demnach sind nach Angaben des zyprischen Verkehrsministers alle Opfer griechische Zyprer oder Griechen. "Nur der Pilot stammte aus Deutschland", bestätigte der Minister im Fernsehen. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin handelte es sich um einen 58-Jährigen aus Berlin. Unter den Opfern sind auch 21 Kinder im Alter zwischen 4 und 17 Jahren. Die Leichen werden in einer Halle in Athen aufgebahrt. Gerichtsmediziner und Familienangehörige sollen helfen, die Toten auch mittels DNA-Analysen zu identifizieren.