Mit scharfen Angriffen auf CDU und CSU hat Bundeskanzler Gerhard Schröder in Hannover den offiziellen Wahlkampf der SPD eröffnet. "Die Kraftmeierei und Geschmacklosigkeiten von Herrn Stoiber und die Führungsschwäche von Frau Merkel sind nicht geeignet, das Land zusammenzuhalten", sagte Schröder am Samstag vor rund 10.000 Zuhörern. Der CSU-Vorsitzende Stoiber habe mit seiner Kritik am Wahlverhalten im Osten versucht, einen großen Teil der Wähler zu diffamieren. "Unsere gemeinsame Aufgabe ist es, dieses Land nicht zu spalten, sondern zusammenzuführen", sagte Schröder.

Scharf kritisierte Schröder auch Präsident George W. Bush , der im Streit über das iranische Atomprogramm militärische Gewalt nicht ausgeschlossen hatte. "Nehmt die militärischen Optionen vom Tisch", sagte Schröder. "Wir haben erlebt, dass die nichts taugen." Niemand wolle, dass atomare Waffen weiter verbreitet würden. "Doch ich sage an die Adresse derjenigen, die über atomare Waffen verfügen: Wir alle wären glaubwürdiger, wenn wir bald entschiedener als jemals in der Vergangenheit mit der Abrüstung dieser Waffen beginnen würden." Abermals verteidigte Schröder seine ablehnende Haltung zum Irak-Krieg.

Als größte innenpolitische Herausforderung für die Zukunft nannte Schröder den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit und verteidigte seine Reformpolitik. "Es darf keine Rolle rückwärts geben." Was frühere Generationen an Sozialstaatlichkeit aufgebaut hätten, könne angesichts radikaler Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft nur durch konsequente Reformen bewahrt werden. "Fördern und Fordern" nannte Schröder als Kernprinzip seiner Reformpolitik.

Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering appellierte an die Unternehmen, die Arbeitsmarktpolitik der Bundesregierung zu unterstützen und gemeinsam gegen die Arbeitslosigkeit zu kämpfen. Zugleich warnte er vor einer "Ökonomisierung" der Gesellschaft. "Wirtschaft ist für den Menschen da und nicht umgekehrt."

Die Bundesregierung habe den Spitzensteuersatz und die Körperschaftsteuer gesenkt, sagte Müntefering. Nun sei es an den Unternehmen, ihren Beitrag zu leisten. "Geld darf nicht die Welt regieren." Außerdem kritisierte er die von der Union im Fall eines Wahlsieges geplante Mehrwertsteuererhöhung. "Das kann nicht gut gehen. Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass die das gar nicht versuchen können.