Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat die westlichen Nationen scharf angegriffen und ihnen die Unterdrückung seines Landes vorgeworfen. »Wir importieren aus diesen Staaten Güter für Millionen Dollar, obwohl sie weder unser Öl, noch andere Produkte von uns kaufen«, sagte Ahmadinedschad am Sonntag vor dem Parlament in Teheran, das den Ministern der neuen Regierung sein Vertrauen aussprechen sollte. »Diese Länder sollten uns dankbar sein, weil wir zu ihrem Wirtschaftswachstum beitragen, aber sie halten uns für ihre Schuldner«, sagte der Präsident. Mehrere ausländische Staaten pflegten wirtschaftliche Beziehungen zu Teheran, verfolgten aber gleichzeitig »eine feindliche Politik gegen den Iran und erkennen unsere Rechte nicht an.«Damit waren offenbar die europäischen Verhandlungspartner im Atomstreit gemeint – Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Die USA fordern zwar ebenfalls eine Einstellung der Uranaufarbeitung, unterhalten aber keine Handelsbeziehungen zum Iran.Ahmadinedschad stellte Bedingungen für eine Fortsetzung der Atomverhandlungen. So soll die EU ihre Forderung aufgeben, Iran müsse seine jüngst wieder angefahrene Anlage zur Umwandlung von Uran in Isfahan außer Betrieb nehmen. Zudem dementierte Teheran Berichte, wonach der Iran tausende Zentrifugen für die Herstellung waffenfähigen Urans herstellen ließ. Unterdessen bestätigte ein westlicher Diplomat, dass in iranischen Zentrifugen entdeckte Spuren von hoch angereichertem Uran aus dem Ausland stammen. Untersuchungen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) hätten den Iran von dem Verdacht entlastet, das hochangereicherte Uran selbst produziert zu haben, sagte der Informant am Samstag in Wien. Die Uranspuren seien offenbar zusammen mit den Zentrifugen importiert worden, vermutlich aus Pakistan.Bundesaußenminister Joschka Fischer warnte vor der Gefahr einer militärischen Eskalation und forderte Teheran zum Einlenken auf. Er würde sich wünschen, die Führung in Teheran begreife, dass sie ihre Interessen erreichen könne, »wenn sie Vernunft gebraucht«, sagte Fischer der ARD. Die derzeitige Atomtechnik Irans ergebe »unter ziviler Nutzung keinen Sinn«. Darüber hinaus sagte Bundeskanzler Gerhard Schröder am Sonntag im Deutschlandfunk, er wolle den Atomstreit mit dem Iran nicht zum zentralen Wahlkampfthema machen. Er habe mit seinen Äußerungen der vergangenen Tage lediglich in Richtung der USA deutlich machen wollen, dass Deutschland den Streit mit diplomatischen Mitteln lösen wolle.