Angst geht um. Die Vogelgrippe rückt unaufhaltsam näher. Todbringende Krickentengeschwader erreichen bald Moskau. Anfang September droht sich auch über Deutschland der Himmel zu verfinstern, wenn Zugvögel das Grippevirus H5N1 mit ihrem Kot auf die Republik fallen lassen.

Wie real ist die Bedrohung? Zunächst ist H5N1 ein Vogelvirus, das so heißt, weil es Vögel erkranken lässt. Vor allem Hühner. Und Hühner kann man recht einfach vor der Ansteckung schützen: Man sperrt sie in den Stall. Die Niederlande haben bereits entsprechende Verordnungen erlassen. Auch Deutschland plant ein vorübergehendes Verbot der Freilandhaltung.

Das Verbot ist eine reine Vorsichtsmaßnahme. Zugvögel und Zuchtgeflügel teilen kaum dieselben Lebensräume, das macht eine Ansteckung unwahrscheinlich – wenn auch nicht unmöglich. Der Ausbruch einer Vogelpest in großen und konzentrierten Geflügelbeständen wäre ein verheerender und lang anhaltender wirtschaftlicher Schaden. Darum ist Vorsorge wichtig und richtig.

Und die Gefahr für den Menschen? Bräche die Grippe in deutschen Hühnerställen aus, wären die Züchter gut beraten, sich nicht ungeschützt ihren Tieren zu nähern. Denn auch hier gilt: Eine Ansteckung ist unwahrscheinlich – aber eben nicht unmöglich. Weltweit haben sich bisher 112 Menschen infiziert, die alle in engem Kontakt mit dem Federvieh lebten. 57 sind gestorben. Es ist die zweite Zahl, die Angst macht. So selten H5N1 auch Menschen krank macht, die Hälfte von ihnen tötet der Erreger.

Das schrecklichste Szenario der Virenjäger sieht daher so aus: Das Virus mutiert. Die Mutante könnte den Menschen leichter infizieren. Schlimmer noch: Sie könnte von Mensch zu Mensch übertragen werden. Dann wäre eine Pandemie, ein weltweiter Ausbruch der Krankheit möglich.