FAZ (der eine von den Fünfen) samt Lebensgefährtin samt Hündchen (darf auch auf der Lederbank Platz nehmen!), Welt am Sonntag, FAS, Spiegel -Büroleitung Berlin, Intendanz Deutschlandfunk, Staatskanzlei, die Grünen – und die FDP. Fehlte nur noch Dauergast Shimon Stein, Botschafter von Israel.

Heute im Café Einstein unter den Linden, gegen ein Uhr mittags: Die Reihen sind wieder besetzt, man muss bereits auf Plätze warten. Der politisch heiße September hat begonnen. Oder lag es nur am kühlen Wetter? Anwesend zum "Plat du jour": American Academy, Herausgeber

Wie immer freundlich fragt Zeit online eine durchaus redliche Stimme der FDP, die auch sagen würde, wenn es nicht so dolle ginge: "Wie geht's denn so?" – Antwort FDP: "Och, gut eigentlich. Das Wetter könnte besser sein."

Sagenhaft! Sensationell! Das hat man in langen Berliner Jahren nicht von der FDP gehört (jedenfalls nicht von den ehrlichen Stimmen): Dermaßen gut geht es also, dass eine Verbesserung nur noch durch sonnigeres Wetter erzielt werden könnte. Warum? Umfragen!

Die Umfragewerte sind neuerdings derart gut zu den Gelben, dass sie kurzfristig sogar die Grünen überholt haben (übrigens: Die Wahlstreet war schon vorher darauf gekommen). Und das bedeutet: Schwarz-Gelb rückt wieder näher.

Grund, sich einer Sorte Politiker zuzuwenden, die oft vergessen wird : die ewig Unterschätzen. Gemeint sind nicht Schattenmänner wie Rainer Brüderle von der FDP. Vielmehr solche, von denen man sich womöglich doch etwas erhoffen kann. Weil sie trotz allem redlich geblieben sind, oder rechtschaffen, schönes altes Wort. Es sind solche, die vielleicht auf den ersten Blick langweilig wirken, grau, manchmal auch einfach abgeschlafft - vielleicht, weil sie nicht dauernd die innere Fernsehkamera auf "bitte lächeln" schalten, sondern sich über Ernsthaftes Gedanken machen.

Wolfgang Gerhardt ist so einer (um politisch ausgewogen zu bleiben: Sigmar Gabriel vielleicht auch, es gibt ein paar mehr). Gerhardt interessiert sich ehrlich, ernsthaft und schon lange für Außenpolitik; er ist derzeit einem Joschka Fischer sehr wohl gewachsen. Berufspolitiker durch und durch, aber auf dem Boden geblieben. Nachkriegsgeneration. Vielleicht rührt daher dieses Pflichtgefühl, der Partei im Amt des Fraktionsvorsitzenden und als zweiter Wahlkampf-Spitzenmanns zu dienen, obwohl ihn dieselbe Partei im Jahr 2001 aus dem Amt des Parteivorsitzenden gewählt hat, um einen Generationswechsel zu den Vierzigjährigen zu vollziehen.