Frühmorgens noch erwartungsvolle Gedanken gehabt, etwa so, dass im Laufe des Tages eine gewisse Nervosität im Regierungsviertel doch spürbar werden müsste, die Schritte etwas eiliger als gewöhnlich, die Mobiltelefone etwas häufiger vibrierend oder klingelnd.

Aber nichts. Es wird getan, als ob nichts wäre. Als ob man schon alles wisse. Im Umkreis der Regierung wird geflissentlich der Eindruck erweckt, man sähe der Karlsruher Entscheidung gelassen entgegen und sei für alle, wirklich alle Fälle gewappnet – auch für den unerwünschten Fall, dass man gezwungen werde, bis 2006 weiter zu regieren.

Und in der FDP sowie in der – wie heißt das jetzt? Linkspartei! – geht eher die Sorge um, dass die Nominierung Schröders zum Friedensnobelpreis den beiden Kleinen die schönen Umfragewerte verhageln könnte, als dass sie noch an der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes zweifelten. Die Journaille kennt sowieso die Nachricht des morgigen Tages schon.

Phantasie: Was, wenn sie irrten? Thierse hätte umsonst SPD-Brausetütchen in Prenzlauer Berg verteilt. Günter Grass hätte ganz unnötigerweise einen schwülheißen Abend in der Kulturbrauerei vor SPD-Sympathisanten hinter sich gebracht ... alles Theorie. Das Urteil im fernen Südwesten ist längst gefallen.

Es wird also Neuwahlen geben. Das weiß man übrigens über informelle Kanäle bereits seit der Entscheidung des Bundespräsidenten, Schröders wackeliger Argumentation zu folgen. Bleibt die Frage, wo wohl die hunderttausend Empörungsschreiben von Gymnasiasten und Politologiestudenten und ihren Professoren landen sollen, die ob der Absprache oder doch der – sagen wir: auffälligen - sichtbaren Übereinstimmung der Verfassungsorgane die Sorge äußern, es gebe in Deutschland keine Gewaltenteilung mehr. Indes: Sollte man sich wünschen, dass keine Kommunikation zwischen Legislative und Judikative stattfindet? Das wäre weltfremd. Und die Unabhängigkeit des Bundesverfassungsgerichts ist bekannt, erprobt – und von der Politik oft verflucht worden.

Und heute Abend? Vielleicht, aus gegebenem Anlass, doch wieder mal die Stones hören. Warum nicht. Riskanter ist es, in Berlin mit einer mitgebrachten Tüte der Boutique „Angela“ aus S.Angelo/Ischia/Italien herumzulaufen. Das Publikum traut den Wahlkampfmanagern ja mittlerweile alles zu.