Noch ist die gefährliche Vogelgrippe hinter dem Ural - die Vorbereitungen für den Ernstfall laufen jedoch bereits auf Hochtouren. "Das Wichtigste ist jetzt alles zu tun, um einen Ausbruch in der Europäischen Union und in Deutschland zu verhindern", sagt Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne). "Ich halte uns für ausreichend präpariert." Das Risiko, dass das Virus H5N1 auch nach Deutschland überspringt, kann sie nicht ausschließen. Der Notfallplan steckt daher bereits in der Schublade.

Wenn die Zugvögel im September nach Deutschland kommen, soll möglichst nichts dem Zufall überlassen werden. Als eher unwahrscheinlich gilt unter Wissenschaftlern, dass Vögel von Asien direkt nach Europa fliegen. "Wir können aber nicht ausschließen, dass es durch überlappende Zuggebiete eine Westwärtsdrift des Virus gibt", sagt der Präsident des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit, Thomas Mettenleiter. Seit 2003 gilt eine Meldepflicht für alle Geflügelarten. Die Kontrolle wird jetzt flächendeckend ausgeweitet. Mettenleiter betont jedoch, dass es sich um eine Tierseuche handelt und die Gefahr einer besonders gefährlichen Grippeepidemie beim Menschen derzeit nicht gegeben sei.

Die hoch ansteckende Vogelgrippe grassierte seit Ende 2003 zunächst nur in Südostasien. Dann kam es im Juli zu einem Massensterben von Hühnern und Enten in Sibirien. Chinesische Forscher hatten in dem US-Fachblatt "Science" davor gewarnt, dass kranke Zugvögel aus China das Virus schnell in ganz Asien und Russland verbreiten könnten. In Belgien schlug der Zoll schon im Oktober vergangenen Jahres Alarm: Er verhinderte den Import zweier Adler, die mit dem H5N1-Virus infiziert waren.

Inzwischen wurde das EU-weite Importverbot für Geflügel, Wildvögeln und Federn von mehreren asiatischen Ländern auf Russland und Kasachstan ausgeweitet. An den Grenzen gelten außerdem stärkere Kontrollen bei der Einreise, wenn der Verdacht besteht, dass das Virus eingeschleppt wird. Doch die größte Gefahr sehen Forscher im illegalen Import. "Die Bürger müssen jetzt mitmachen", sagt Künast deshalb. Sie dürften keine Vögel oder Federn importieren und in den betroffenen Gebieten nicht mit Geflügel in Kontakt kommen.

Die Geflügelwirtschaft muss ebenfalls reagieren: Die Halter müssen ihre Tiere voraussichtlich von Mitte September an zunächst für drei Monate einsperren. Das ist der deutschen Geflügelwirtschaft zu spät, sie verlangt ein schnelleres Verbot. Für die Öko-Wirtschaft fehlt nach Angaben von Künast noch eine Regelung wie bei herkömmlichen Freilandhaltern, die bei vorübergehendem Einsperren den Freilandstatus nicht verlieren.

Wenn es zu einem Ausbruch der Vogelgrippe kommen sollte, greift die Geflügelpestverordnung: Dann werden die betreffenden Geflügelbestände getötet sowie Sperrbezirke eingerichtet. In den Niederlanden brach die Vogelgrippe 2003 aus, konnte dann aber eingedämmt werden. Dort war allerdings ein anderes Virus namens H7N7 aufgetreten. In Deutschland wurde damals nur ein Fall registriert - in Viersen (Nordrhein-Westfalen). Ein größeres Übergreifen der Geflügelpest auf Deutschland blieb damit aus. Künast sieht das als gute Vorbereitung für einen möglichen Ernstfall, der jetzt bevorstehen könnte.

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Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit