DIE ZEIT: Herr Messner, Sie sind auf einer ZEIT-Projektreise am Nanga Parbat unterwegs. Es heißt, im Diamirtal seien die sterblichen Überreste Ihres Bruders Günther gefunden worden.

Messner:
Drei Einheimische aus dem Diamirtal, die in meinem Auftrag seit zwei Jahren regelmäßig den Gletscher absuchen, haben mir bei meiner Ankunft in Islamabad über den Fund des Körpers berichtet. Schuhe, Kleidung, Knochen, Haare, alle Details der Beschreibung stimmen.

DIE ZEIT:
Sind Sie sich sicher, dass es sich dabei um Ihren seit 35 Jahren vermissten Bruder handelt?

Messner: Es ist so klar, dass es keine Zweifel gibt! Am Fuße des Berges ist noch ein anderer Körper gerfunden worden, der aber Plastikschuhe trägt, wie wir sie nicht verwendet haben.

DIE ZEIT: Nach Angaben Ihres Sprechers in Islamabad heißt es, der Körper sei in rund 4.600 Metern Höhe in der Nähe des Diamir-Basislagers gefunden worden, nachdem er 33 Jahre in 7.000 Metern Höhe gelegen hätte und aus dieser Höhe mit dem Schmelzwasser nach unten gewandert sei.

Messner:
Das ist ein ganz großer Blödsinn. Der  Körper ist eindeutig genau dort gefunden worden, wo vor fünf Jahren bereits der Knochen gefunden wurde. Es ist genau so, wie ich es immer vermutet habe.

DIE ZEIT: Wie ist die Meldung über den Fund dann nach Europa gelangt?

Messner: Ich habe keine offizielle Stellungnahme abgegeben. Einem slowenischen Bergsteiger, der vor kurzem auf spektakuläre Weise aus der Wand des Nanga Parbat gerettet wurde, habe ich nebenbei von dem Fund berichtet. Vielleicht hat er es weitererzählt. Ich habe keinen Sprecher und keine Ahnung, wer das ist. Dies ist das erste Interview, das ich in Pakistan gebe.

DIE ZEIT: Wann werden Sie die Fundstelle erreichen?

Messner: Auf unserer Projektreise mit 15 ZEIT-Lesern befinde ich mich auf der Umrundung des Nanga Parbat. Derzeit sind wir im Muthat-Tal unter schwierigen Bedingungen unterwegs. Nach dem Erdbeben von 2002 haben Millionen Tonnen Geröll und Gletschereis die Landschaft hier total zerstört. Hier ist eine riesige Wüste. Aber wir haben eine gute Mannschaft und alle sind wohlauf. Wenn alles gut geht, erreichen wir Ende August das Diamir-Basislager und die Fundstelle.

DIE ZEIT: Was passiert, wenn Sie den Leichnam identifiziert haben?

Messner:
Wenn es der Bruder ist, machen wir dort ein Begräbnis. Die Teilnehmer der ZEIT-Reise werden meine Zeugen sein.

Mit Reinhold Messner sprach Bernd Loppow