Zum Abschluss des Weltjugendtages in Köln sind eine Million Pilger zu einer Messe auf das Marienfeld mit Benedikt XVI. gekommen. Der Papst beschwor in seiner Predigt die Notwendigkeit von Religion für den modernen Menschen. "Alle Menschen warten immer schon irgendwie in ihrem Herzen auf eine Veränderung und Verwandlung der Welt", rief er. Doch nur der Glaube an die Liebe Gottes sei zu einer wirklichen Verbesserung der Welt fähig: "Nur von dieser innersten Explosion des Guten her, das das Böse überwindet, kann dann die Kette der Verwandlung ausgehen, die allmählich die Welt umformt."Heute gebe es in großen Teilen der Welt eine merkwürdige Gottvergessenheit, beklagte das Kirchenoberhaupt. "Es scheint auch ohne ihn zu gehen. Aber zugleich gibt es auch ein Gefühl der Frustration, der Unzufriedenheit an allem und mit allem: Das kann doch nicht das Leben sein." Und so gebe es mit der Gottvergessenheit auch so etwas wie einen Boom des Religiösen. Weithin werde Religion "geradezu zum Marktprodukt". Man suche sich heraus, was einem gefällt, und manche wüssten, Gewinn daraus zu ziehen.Er wisse, dass die jungen Menschen Großes wollten und sich für eine bessere Welt einsetzten. "Zeigt es den Menschen, zeigt es der Welt, die gerade auf dieses Zeugnis der Jünger Jesu Christi wartet und zuallererst durch das Zeichen eurer Liebe den Stern entdecken kann, dem wir folgen. Gehen wir voran mit Christus und leben wir unser Leben als wirkliche Anbeter Gottes," sagte der Papst.Nach der Messe kündigte Benedikt XVI an, der nächste Weltjugendtag der katholischen Kirche werde 2008 im australischen Sydney abgehalten. Bundeskanzler Gerhard Schröder würdigte den Weltjugendtag in Köln als Beispiel für Toleranz und Offenheit in Deutschland. "Die Begeisterung, die sichtbar war, die Bereitschaft auch zu Internationalität, nicht zuletzt der deutschen Jugendlichen, all das zeigt doch, dass wir in einem Land leben, dass tolerant ist", sagte Schröder am Sonntag dem Deutschlandfunk. "Das Christentum trägt zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft, unseres Landes bei", fügte der Kanzler hinzu. Ihrerseits hat Unionskanzlerkandidatin Angela Merkel Benedikt XVI. bei einer Privataudienz in Köln versprochen, eine Politik nach christlichen Grundsätzen zu betreiben. In einem Beitrag für Bild am Sonntag schrieb Merkel: "Ich habe in meinem Gespräch mit dem Heiligen Vater deutlich gemacht, dass unsere Bindung an das christliche Menschenbild Fundament der Programme von CDU und CSU ist." Das "Bekenntnis der jungen Menschen zu Gott und der Botschaft Jesu sowie die Begeisterung für den Heiligen Vater" bestärkten sie darin, im christlichen Glauben den Kraftquell ihres politischen Handelns zu sehen, erklärte Merkel. Benedikt XVI. wird am Abend nach Rom zurückkehren. Es ist die erste Auslandsreise des deutschen Papstes seit seiner Wahl vor vier Monaten.