Und sie bewegt sich doch nicht, die Union. Nach unten nämlich. Die Umfragen sehen sie weiter  auf der Siegerstraße, mag sich die Furie aus Bayern noch so anstrengen, den eigenen Wahlkampf zu torpedieren. 43 Prozent misst das neueste Politbarometer der Forschungsgruppe Wahlen für CDU und CSU, sie legen sogar noch einen Punkt zu in der Woche des Missvergnügens. Da kann man Edmund Stoiber entspannt zetern lassen. Von Angela Merkel zu seiner künftigen Rolle kein öffentliches Wort. Wohl aber von Friedrich Merz, der derzeit nichts werden will, und deshalb aussprechen kann, was in der CDU gedacht wird: "Wir gehen davon aus, dass er in Bayern bleiben wird und die Landtagswahl 2008 vorbereitet."

Und die SPD, die doch eigentlich von Stoibers Geisterfahrten hätte profitieren müssen? Sie verharrt bei kümmerlichen 29 Prozent. "Ratlosigkeit" mache sich bei den Sozialdemokraten breit, analysiert die "Süddeutsche Zeitung" dieses Ergebnis am Ende einer "Woche, die nach allen herkömmlichen Regeln der Demoskopie eigentlich einen Aufschwung für die Sozialdemokraten hätte erwarten lassen". Das Blatt konfrontiert Brandenburgs Ministerpräsidenten Matthias Platzeck mit den traurigen Umfragewerten und fragt: Ist die Strategie der SPD falsch? Was soll der arme Platzeck darauf antworten. "Nein, die Strategie ist richtig. Wir stellen den Kanzler heraus und setzen auf die Erneuerung Deutschlands mit menschlichem Maß."

Dies sind die Tage der Durchhalteparolen für eine SPD, die den Glauben an einen Sieg verloren hat, nachdem Anfang August noch einmal kurz Zuversicht aufgekommen war. "Wir sind noch nicht am Ende der seligen Partie", sagt Wirtschaftsminister Wolfgang Clement im Interview mit der "Frankfurter Rundschau", "aber wir haben nicht mehr viel Zeit." Da klingt erste Bitterkeit an. "Mit uns ist das Land wieder auf dem Weg an die Spitze Europas zurückgekehrt", behauptet Clement, und es schwingt mit: Andere werden jetzt die Früchte des Zorns in der Bevölkerung über die notwendigen Reformen ernten. "Es stimmt, da ist etwas Verzagtheit  eingetreten", gibt der Wirtschaftsminister zu. "Aber man darf nicht verzagt sein, wenn man gewinnen will."

Die Messe ist gesungen, mag in diesen Tagen des Papst-Besuches manchem Sozialdemokraten dämmern. Gerhard Schröder und Joschka Fischer werden auf den Marktplätzen umjubelt wie alternde Rockstars, die sich noch einmal auf Tournee begeben und mit denen man schöne, wilde Jahre verbracht hat. Und wie bei jeder Abschiedstournee kommt ein wenig Sentimentalität auf. Aber hinter den Bühnen beginnen die alten Rocker von ihren Landhäusern in der Toskana zu erzählen, von künftigen Aufgaben in der Wirtschaft, von der Sehnsucht ihrer Frauen nach New York, von den Büchern, die sie bald lesen werden. Und von ihrer Rente.