Über die Alten wird viel geschimpft: Zu viele, zu langlebig, zu teuer. Dabei sind die heutigen Senioren viel flexibler als ihre Eltern und Großeltern. Und das ist ein Glück - für ihre Kinder und, man glaubt es kaum, für die Sozialsysteme.

Vor zwanzig, dreißig Jahren gab es für gebrechliche Alte eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie wurden von ihren Kindern, zumeist den Töchtern, mehr oder weniger aufopferungsvoll gepflegt. Oder sie fristeten ihr Dasein im Altersheim. Vor dieser Alternative gruselt es vielen, die jetzt ins Rentenalter kommen. Sie überlegen sich beizeiten, wie sie ihnen entkommen können.

Zum Beispiel Anne Görtz. "Auf keinen Fall wollte ich meinen Kindern zur Last fallen", sagte sie auf dem Kongress "Wohnen der Zukunft - modernes Leben im Alter", den das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend am Dienstag in Berlin veranstaltete. Deshalb entschloss sie sich, in eine Alten-WG zu ziehen - ihren Eltern wäre so etwas nicht im Traum eingefallen. Seit zwei Jahren wohnt Anne Görtz mit zehn anderen Frauen - alle zwischen 58 und 76 Jahre alt - im Wohnprojekt "Olga - Oldies leben gemeinsam aktiv" in Nürnberg.

Gewiss, das Zusammenleben hat so seine Tücken. Da vergisst die eine, die Blumen im Garten zu gießen. Die andere findet den gemeinsamen Spieleabend blöd. WG-Probleme, die Jungen kennen sie auch. Doch zum Pflegekurs wollen alle mitkommen. Denn falls eine von ihnen krank oder pflegebedürftig wird, möchten ihre Mitbewohnerinnen sie so lange wie möglich zu Hause betreuen. Auch eine Kooperation mit einem ambulanten Pflegedienst ist eine Möglichkeit.

Die Rentner-WG in Nürnberg ist eines von 15 Modellprojekten, das von der Ministerin Renate Schmidt mit insgesamt rund drei Millionen Euro gefördert wird. Zum Wohle der Alten wie des Staates. Doch, das geht wirklich zusammen! Denn der Charme von Senioren-Kommunen besteht nicht nur darin, dass ältere Menschen möglichst lange selbstständig in den eigenen vier Wänden und gemeinsam mit anderen leben können. Auch die Kosten für stationäre Unterbringung und Pflege werden durch sie deutlich gesenkt.