Zwei Tage nach dem verheerenden Hurrikan "Katrina" hat Präsident George W. Bush in Washington eine Rede an die Nation gehalten. "Ich kann Ihnen nicht sagen, wie furchtbar die Bilder waren, die ich gesehen habe", sagte Bush wenige Stunden, nachdem er sich aus der Luft einen Eindruck vom Katastrophengebiet verschafft hatte. "Wir haben es mit einer der größten Naturkatastrophen in der Geschichte der USA zu tun." Der Wiederaufbau in den betroffenen Regionen werde Jahre dauern.

Zehntausende Häuser und Geschäfte seien zerstört, ein großer Teil der Golfküste des Bundesstaates Mississippi verwüstet. Bush kündigte umfassende Hilfe für die Menschen in Louisiana, Alabama und Mississippi an. Die Regierung werde alles tun, um noch Menschenleben zu retten. Außerdem sagte Bush rasche Hilfen für die zahlreichen Obdachlosen zu. Bislang seien 78.000 Menschen in Notunterkünften untergebracht. Hunderte Lastwagen stünden für Hilfsgütertransporte bereit, 5,4 Millionen Pakete Fertignahrung könnten geliefert werden. Bush will zusätzlich 11.000 Nationalgardisten in die Katastrophengebiete schicken, 5.000 von ihnen sollen der Polizei helfen, für Ruhe und Ordnung zu sorgen.

Die Wiederaufbauarbeiten werden sich zuerst auf die Wiederherstellung des Energienetzes konzentrieren. "Die Herausforderungen sind beispiellos", sagte Bush. Weiterhin kündigte er an, dass mit Hilfe der strategischen Ölreserve der USA ein weiterer Anstieg der Treibstoffpreise verhindert werden solle.

Unterdessen wächst in den betroffenen Regionen die Angst vor Seuchen wie Cholera und Typhus. Augenzeugen berichteten von zahlreichen im Wasser treibenden Leichen. Viele Tote würden auch noch in Häusern liegen, die bisher nicht erreicht werden könnten, sagte der Bürgermeister von New Orleans, Ray Nagin. Die Behörden haben in den betroffenen Regionen bereits den Gesundheitsnotstand ausgerufen. Ein großes Problem ist auch das Flutwasser. "Das Wasser in den Straßen ist verdünntes Abwasser", sagt Mark Sabsey, Mikrobiologe an der Universität von North Carolina. Sämtliche Infektionen, die die Menschen hätten, würden durch das Wasser weitergegeben. Neben Diarrhö könnten sich Hepatitis A und der Norwalk-Virus ausbreiten. Die Kliniken sind ebenfalls von Überflutungen bedroht, außerdem geht ihnen der Treibstoff für die Stromgeneratoren aus. 10.000 Patienten sollen in Sicherheit gebracht werden.

"Die Lage ist schrecklich, es ist heiß und feucht und die Leute haben kein Trinkwasser", sagte der Chef der Behörde für Katastrophenmanagement (Fema), Michael Brown. In der Bevölkerung macht sich zunehmend Verzweiflung breit. Auf einer Autobahn bei New Orleans, die passierbar ist, versammelten sich Hunderte Menschen und riefen vorbeifahrenden Autoinsassen zu: "Bitte helft uns." Andere streckten leere Becher aus und bettelten um Wasser. Weinende Menschen flehten Journalisten an, ihnen bei der Suche nach vermissten Familienangehörigen zu helfen.