Mit zweiwöchiger Verzögerung hat der Verfassungsausschuss am Sonntag dem irakischen Parlament den endgültigen Entwurf für die neue Verfassung vorgelegt. Über den Entwurf sollen die Iraker am 15. Oktober in einer Volksabstimmung befinden. Auf eine ursprünglich geplante Abstimmung im Parlament wurde verzichtet. Staatspräsident Dschalal Talabani sagte am Sonntag nach Angaben des Fernsehsenders Al-Arabija: "Der Verfassungsentwurf ist jetzt bereit für das Referendum."Irakische Parlamentarier sagten in Bagdad, der von den Kurden und Schiiten formulierte Entwurf sei nach den Verhandlungen mit den Sunniten in den vergangenen Tagen noch geändert worden. In zentralen Streitpunkten wie dem Föderalismus, dem Verbot der Baath-Partei und der arabisch-islamischen Identität des Staates hätten sich die Sunniten jedoch nicht durchsetzen können. "Ein Teil derjenigen, die sich nicht an den Wahlen beteiligt haben (die Sunniten), haben immer noch Bedenken, aber es ist normal, dass es Meinungsverschiedenheiten gibt", sagte der Vize-Parlamentspräsident Ali al-Schahristani.Eine für Sonntag vorgesehene Sitzung des Parlaments zur Verfassung wurde auf Montag verschoben. Die Abgeordneten sollten aber nicht mehr über den Entwurf abstimmen. Talabani sagte, eine Abstimmung sei nicht notwendig, da der Verfassungsausschuss vom Parlament gebildet worden sei, und der Ausschuss habe das Dokument ja verabschiedet. Auch Parlamentspräsident Hadschim al-Hassani erklärte, eine Abstimmung sei nicht unbedingt notwendig. Talabani lud für den Abend zu einem Fest ein, um den Abschluss der Verhandlungen zu feiern.Die meisten Beobachter glauben, dass es für die Verfassung bei der Volksabstimmung am 15. Oktober auch dann die notwendige Mehrheit geben wird, wenn die Sunniten alle dagegen stimmen sollten. "Dies ist ein großartiger Tag, und der Tag, an dem die Iraker die Verfassung akzeptieren werden, wird ein noch großartigerer Tag sein", sagte Fuad Masum, ein Mitglied der Kurden-Fraktion im Parlament.Der Irak und die ganze Welt könnten stolz auf diese Leistung sein, sagte US-Präsident Bush am Sonntag auf seiner Ranch in Crawford (Texas), wo er zur Zeit Urlaub macht. Der Präsident sprach von einem Kompromissdokument, das fundamentale Prinzipien der Freiheit widerspiegele. Zur Ablehnung des Entwurfs von sunnitischer Seite sagte Bush, "einige Sunniten" verweigerten ihre Zustimmung, und das sei im Sinne demokratischer Regeln ihr Recht. Auch die amerikanische Verfassung sei dereinst nicht einstimmig gebilligt worden.Insgesamt hätten die Iraker erneut ein Zeichen gesetzt und sich trotz aller Einschüchterungsversuche der Terroristen auf ihrem Weg nicht beirren lassen. Ihr Beispiel sei eine Inspiration für alle Menschen, die nach Freiheit strebten, erklärte Bush. Er betonte weiter, dass auch der weitere Weg in Richtung Frieden und Demokratie nicht leicht sein werde. Mit jedem Schritt würden die Feinde verzweifelter und bösartiger werden. Aber am Ende werde die Freiheit triumphieren, sagte der Präsident.