Das vom Bund der Vertriebenen in Berlin geplante "Zentrum gegen Vertreibungen" bleibt für Polen ein Stein des Anstoßes. Dies erwies sich auch während des ersten Staatsbesuchs von Bundespräsident Horst Köhler am Dienstag in Warschau. Sowohl Köhler als auch Polens Staatspräsident Aleksander Kwasniewski sparten das strittige Thema in ihren Gesprächen nicht aus.Köhler versicherte, es gebe in Deutschland keine ernst zu nehmende politische Kraft, die die Geschichte umdeuten wolle und ein "Zentrum gegen Vertreibungen" nutzen wolle, "um aus Tätern Opfer zu machen". Er vermied aber eine öffentliche Verurteilung des Vorhabens. Kwasniewski machte zum wiederholten Mal seine Ablehnung des Projekts deutlich.Beim Staatsbankett am Dienstagabend erinnerte Köhler in seiner Tischrede an die "Danziger Erklärung" von Rau und Kwasniewski. Sie weise einen Weg, zu dem die Erkenntnis gehöre, "dass Flucht und Vertreibung allein in einem europäischen Dialog über das ganze 20. Jahrhundert verstanden werden können", sagte Köhler laut Redemanuskript. Rau und Kwasniewski hatten 2003 aufgerufen, Flucht und Vertreibung gemeinsam zu bewerten und zu dokumentieren.Zu den Vermögensansprüchen einzelner Vertriebener sagte Köhler in seiner Tischrede, man solle sich auf dem Weg der Versöhnung und guter Nachbarschaft nicht dreinreden lassen von einer "kleinen Zahl von Verhärteten oder Verblendeten". Der Bundespräsident bat aber auch um Verständnis für Deutsche, die in der Folge deutschen Unrechts ihre Heimat verloren hätten und deshalb bis heute Trauer empfänden. Die Deutschen vergäßen darüber nicht, "wo Leid und Unrecht ihren Ursprung nahmen".Am ersten Besuchstag absolvierte Köhler ein umfangreiches Programm. Er legte zusammen mit Kwasniewski den Grundstein für die neue deutsche Botschaft, die aus einer Abseitslage ins Zentrum der polnischen Hauptstadt rückt. Bei Kranzniederlegungen am Grabmal des unbekannten Soldaten, am Denkmal der Helden des Warschauer Gettos und am Denkmal des Warschauer Aufstandes gedachte Köhler der Opfer von Krieg und Nazi-Terror. Anlass von Köhlers Reise sind auch die Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag der Gründung der Gewerkschaft Solidarnosc (Solidarität) am Mittwoch in Danzig.