In New York hat am Montagabend die letzte und entscheidende Verhandlungsrunde zur Reform der Vereinten Nationen begonnen. Dabei soll eine "Kerngruppe" aus rund 30 Ländern und Ländergruppen noch rechtzeitig vor dem Reform-Gipfel Mitte September ein Grundsatzprogramm zur Erneuerung der Weltorganisation ausarbeiten. Die USA zeigten sich im Vorfeld kompromissbereit. "Wir sind flexibel, was das Format und den Inhalt angeht", versicherte der amerikanische UN-Botschafter John Bolton in New York.Die Kerngruppe muss spätestens bis Dienstag kommender Woche zu einem Ergebnis kommen, damit der Zeitplan bis zum Gipfeltreffen vom 14. bis 16. September noch eingehalten werden kann. Dieses müsste bei Zustimmung aller anderen Länder spätestens am 12. September, dem letzten Tag der 59. UN-Vollversammlung, angenommen werden. Sollte der Kraftakt nicht gelingen, bliebe den Teilnehmern des nach UN- Angaben "größten Gipfeltreffens der Geschichte" nichts anderes übrig, als nur eine kurze Erklärung ohne jede Verpflichtung abzugeben.Derweil versicherten Russland und Frankreich erneut, die deutschen Bemühungen um einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat zu unterstützen. Die Präsidenten Russlands und Frankreichs, Wladimir Putin und Jacques Chirac, sprachen sich am Montag persönlich für einen festen Ratssitz für Deutschland aus.Chirac betonte auf der Jahrestagung der französischen Botschafter in Paris, die "zu lange aufgeschobene Erweiterung des Sicherheitsrats sollte jetzt umgesetzt werden". Den Vorschlag der G-4, vorläufig auf ein Veto-Recht zu verzichten, nannte er vernünftig. Dies entspreche den "Forderungen nach Effizienz und der Vertretung verschiedener Regionen, besonders von Afrika". Putin sagte im südrussischen Sotschi: "Deutschland hat das Recht, diesen Sitz anzustreben, und Russland wird diese Kandidatur unterstützen". Er schränkte jedoch ein, zunächst müsse ein Plan für die Reform der UN vorliegen, der von der Mehrheit der Mitglieder befürwortet werde.Nachdem die Verhandlungen über diesen Plan - vor allem wegen massiver amerikanischer Einwände - festgefahren waren, soll jetzt die Kerngruppe einen Kompromiss erarbeiten. Ihr gehören die fünf ständigen Sicherheitsratsmitglieder USA, Großbritannien, Frankreich, Russland und China sowie die Vertreter von Regionalgruppen an. So wird Deutschland durch die EU-Präsidentschaft vertreten. Die 53 Länder der Afrikanischen Union werden von drei Sprechern vertreten, die Gruppe der 77 (G77) Entwicklungsländer durch Jamaika und Malaysien.