A wie anders, das kleine "a" im Namen a-Musik trägt man wie eine Federboa für drunter. Unter der unauffälligen Blousonjacke, zu irgendwas wie Jeans oder auch mal unterm alten Anzug. Die Passion für Seltengehörtes und A-Tonales, das alle Erwartungen an harmonische oder melodische Allgemeinplätze sprengt, ist dem a-Musik-Team in Köln zu selbstverständlich, um sie sich als schillerndes Label ans Revers zu heften. Der Plattenladen mit eigenem international erfolgreichen Mailordervertrieb feiert sein zehnjähriges Bestehen, und ganz Köln feiert am letzten Augustwochenende mit - im Rahmen der c/o Pop, des regionalen Nachfolgers der nach Berlin abgewanderten Musikmesse Popkomm.

An die 30.000 Tonträger bietet das Sortiment bei a-Musik, in sämtlichen Formaten und Kleinstauflagen, abseitige Stile aus allen Kontinenten, von russischen Elektronikartisten über japanische Lärm-Spontis bis zu italienischem Freejazz, Selbstgebranntem aus Neuseeland sowie neu aufgelegtem Industrial und Fluxus. Auf die Frage, was sich in den zehn Jahren seines Plattenhandels verändert habe, bezeichnet Betreiber Georg Odijk den Umzug aus dem belgischen Viertel in die bescheiden kleinbürgerliche Gegend um den Kleinen Griechenmarkt als einschneidend. Seitdem setzt sich das Potenzial aus Interessenten und Käufern anders zusammen, die Laufkunden aus der ehemaligen Nachbarschaft der Techno-Plattenläden und Clubs bleiben aus, es stehen heute kaum noch Dance Maxis des Kölner Labels Kompakt im Laden.

Stattdessen interessiert sich eine gefühlte Mehrheit der a-Musik-Minderheiten für Drill&Bass, aus gebrochenen Rhythmen brachial, dreckig und knartzig zusammengeschraubte Beats. Diese Lust an überfallartig aus den Speichern angreifenden Krachkaskaden ereilt den vom blanken HipHop schnell gelangweilten Junghörer genauso wie den ausgewählt quer hörenden Vielsammler, und alle kommen sie auf ihre Kosten, als am a-Musik-Abend der c/o Pop im Blue Note der Amerikaner Hrvatski auftritt und anschließend DJ Elephant Power den
Keller in Schwung bringt.

Georg Odijk hört die neuesten Entwicklungen eher gelassen, für ihn zählen seine Allzeitfavoriten Freejazz und Neue Musik: "Ich verkaufe ja lieber eine Platte von Evan Parker als eine von Superpitcher." Sein aktueller Tipp: "Fünf Kompositionen" von Michael von Biel (Edition RZ), einem Schüler von Stockhausen und Feldmann, die Doppel-CD "Selam" von Tsehaytu Beraki, einer Sängerin aus Eritrea, auf dem Label Terp, und die CD "Cambodian Cassette Archives: Khmer Folk & Pop Music VOL.1" auf Sublime Frequencies.

Sonntagmorgens um drei im Kölner Stadtgarten geht es indessen weniger abwechslungsreich zu, ein Mann rackert sich im Unterhemd an den Reglern des DJ-Pults ab, die Stimmung der verstreuten Tänzer ist von Euphorie weit entfernt. Übersättigung am in seinen Bestandteilen durchaus appetitlichen Technosound macht sich breit - ein allgemeines Problem der elektroniklastigen c/o pop. Wie damit umgegangen werden kann, zeigt auf der Eröffnungsparty im Panoramahaus das Hamburger Duo Egoexpress, dessen unverkrampfte Musizierlust den knorrigen Minimal House in eine rockende Eleganz und das Publikum zur Ekstase treibt.

So sind die über ganz Köln verteilten Veranstaltungen, Videoperformances, Ausstellungen, Vorträge und Clubabende wie beim Debut der c/o pop letztes Jahr sehr unterschiedlich besucht, von mäßigem Andrang bis zur Überfüllung auf der DJ-Nacht vom kompakt-Vertrieb. Deren Technoprodukte machen als Exportschlager inzwischen mehr Sinn, als der "Eine Stadt feiert sich selbst"-Gestus, dem interessantere und innovativere Konzepte für die Zukunft zu wünschen wären.

Mehr Informationen unter: www.a-musik.com