Erstens ist heute aus dem Regierungsviertel zu melden, dass sich wegen des grauen Himmels die Hauptstadtkorrespondentinnen extra bunte oder sommerhimmelblaue Blazer ausgewählt haben. Zweitens wurde Karlsruhe gegen 10 Uhr vormittags von Medien und Politik mit einem Wir-haben-es-doch-immer-gewußt-Nicken beifällig zur Kenntnis genommen.

Und drittens - es gibt doch ein drittens heute , obwohl die Terminliste sommerlich schlank ist - drittens tauchte Jürgen Trittin wieder auf. Passend zur Flut. Auf dem Video-Termin-Screen der Bundespressekonferenz standen drei Buchstaben und ein Ausrufzeichen "Neu!".

Also dann: Heute! Trittin! Zwölf Uhr! Flut! Nicht nur Schily, auch ich, Umweltminister! Bloß nicht der SPD schon wieder das Thema Flut alleine überlassen.

Enttäuschung dann um 12.01 Uhr unter den sparsam versammelten Berichterstattern: Es kam der alte Trittin. Nix neu. Abgesehen von der rot-weiß-dunkelblau gestreifte Krawatte (welche Koalition wohl damit gemeint ist?).

Zugegeben, der Tag ist eigentlich zu grau um zu spotten. Und Trittin darf man auch nicht nur belächeln. Der Mann gehört schließlich zu den erfolgreichsten, auch: dienstältesten Kabinettsmitgliedern (von 1998 übriggeblieben). Die Regierung hat mit den meisten wichtigen Reformen eine Legislaturperiode zu spät angefangen, nach 2002, eigentlich so richtig erst am 14. März 2003, aber das Thema Umwelt bewegte sich schneller und von Anfang an. Der Atomausstieg wurde 1999 beschlossen.

Deswegen umgibt gerade Trittin jene Schrödersche Regierungs-Selbstzufriedenheits-Aura gleich doppelt und dreifach. Der Mann ist das Selbstbewusstsein in Person. Er hat natürlich gesagt, dass die Bundesregierung beim Thema Hochwasser alles richtig gemacht hat. Das Hochwasserschutzgesetz ist in Kraft und wird gerade von den Ländern (viel zu langsam) umgesetzt. Und Bayern hat natürlich alles falsch gemacht. Und Hochwasser und Klimawandel haben eines gemeinsam, sagt Trittin, nämlich dass man vorbeugen muss. O-Ton vom Minister: "Wenn die Keller vollgelaufen und die Gletscher weggeschmolzen sind, ist es zu spät." Wen meint er? Stoiber. Der habe zuwenig Geld für den Hochwasserschutz locker gemacht.