Die Verbraucherstimmung in Deutschland hat sich überraschend deutlich aufgehellt. Und dies trotz des hohen Ölpreises, der wegen der erwarteten Sturmschäden durch den Hurrikan Katrina im Golf von Mexiko an diesem Montag kurzfristig auf über siebzig Dollar gestiegen ist. Nachdem die Verbraucher in den vergangenen Monaten nur wenig konsumierten, hätten sich alle Indikatoren für das Konsumklima im August positiv entwickelt, berichten die Markforscher der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg. Der Gesamtindex für die Verbraucherstimmung werde infolgedessen im September auf einen Wert von 3,4 Punkten steigen (nach 3,2 Punkten im August).

Klaus Wübbenhorst, Chef der GfK,  sagte, die bevorstehende Bundestagswahl wirke sich positiv auf die Stimmung der Verbraucher aus. "Die Bürger haben jetzt wieder etwas mehr Sicherheit." Sie seien deshalb bereit, wieder mehr zu kaufen. Insbesondere die Neigung, teurere und größere Dinge anzuschaffen, sei im August zum zweiten Mal in Folge auffällig gestiegen. Insgesamt wird der private Konsum in diesem Jahr um 0,2 Prozent steigen, erwartet die GfK.

Allerdings ist noch nicht abzusehen, ob die jüngsten Zahlen schon Vorboten einer Trendwende sind. Denn der private Konsum hängt stark davon ab, wie sich die Energiepreise und die Verbrauchssteuern entwickeln. Gegenwärtig steigen die Kosten für Heizöl und Benzin stetig ; auch die Diskussion um eine Erhöhung der Mehrwertsteuer sorgt für Unruhe. Wübbenhorst sagt dazu: "Eine Tankfüllung, die gegenüber dem Jahresbeginn um vierzig Prozent teurer geworden ist, entzieht richtig Kaufkraft und drückt auf die Stimmung."

Die ist unter den Konsumenten in den verschiedenen Regionen Deutschlands sehr unterschiedlich. Während im Westen mehr Menschen wieder Geld ausgeben wollen, sind viele Ostdeutsche wesentlich zurückhaltender. Eine ausgesprochen pessimistische Stimmung haben die Marktforscher der GfK bei Bürgern "in einfacher Lebenslage" sowie bei den älteren, nicht mehr berufstätigen Menschen ausgemacht.

Für den kleinen Aufschwung, den viele Ökonomen im Herbst erwarten, wäre ein Anstieg des Konsums ein wichtiges Signal. Bislang speist sich das vorsichtige Wachstum vor allem aus den Exporten und kaum aus der Binnennachfrage. Doch nur, wenn diese zulegt, könnte es längerfristig wieder bergauf gehen. Der neue GfK-Index ist dafür ein Signal. Mehr aber auch noch nicht. ( kpm./dpa )