Die Berliner Humboldt-Universität plant exklusive Seminare und Lerngruppen für besonders talentierte Studenten. Die Elite-Kurse sollen neben dem regulären Lehrbetrieb an zwei Fakultäten getestet werden. Gedacht ist an eine naturwissenschaftliche und geisteswissenschaftliche Disziplin. „Wir brauchen eine Exzellenzförderung nicht nur für Spitzenforscher sondern ebenso für besonders qualifizierte Studenten“, sagt die neue für Lehre und Forschung zuständige Vizepräsidentin Susanne Baer, gegenüber ZEIT online. In den sogenannten „Honors“-Kursen sollen renommierte Forscher der Berliner Universität die Auslesestudenten in kleinen Gruppen ab dem ersten Semester an die Forschung heranführen. Die geeigneten Kandidaten sollen durch Auswahlgespräche gefunden werden.

Mit dem Zusatzangebot für Spitzenstudenten betritt die Berliner Universität Neuland in der deutschen Hochschullandschaft. Bisher sind Veranstaltungen an hiesigen Universitäten für alle eingeschriebenen Studenten offen, unabhängig von deren Leistung. Eine Ausnahme machen die Studienangebote des „Elitenetzwerkes Bayern“. Hier fördert der bayerische Staat seit Herbst vergangenen Jahres in 16 Studiengängen und 10 Doktorandenkollegs besonders qualifizierte Studierende und Nachwuchswissenschaftler. Das Elite-Programm macht jedoch nur punktuelle Angebote an einzelnen Hochschulen und nimmt keine Universität als Ganzes in den Blick. Die im Frühsommer gestartete Exzelleninitiative von Bund und Ländern wiederum soll nur die exzellente Forschung belohnen. Die Ausweitung des Programms auf die Lehre scheiterte am Widerstand der Länder.

Die Humboldt-Universität möchte nun den Elitewettbewerb für die Forschung mit der Lehre verzahnen, sagt Vizepräsidentin Baer. „Schließlich gehören zu einer guten Universität beide Bereiche.“

Bei der organisierten Studentenschaft wird die Initiative für Edelstudenten auf wenig Gegenliebe stoßen. Viele Professoren dürften das Programm dagegen begrüßen. So sieht der an der Humboldt-Universität lehrende Politikwissenschaftler Herfried Münkler in Zusatzkursen für besonders leistungswillige Studenten die Chance, „die deutsche Massenuniversität mit dem Elitegedanken zu verbinden.“ ( Martin Spiewak )