War zu Beginn des Wahlkampfs noch die Themenlosigkeit zu bemängeln , gab es diese Woche ein paar bedeutende Ereignisse: Angela Merkel stellte ihr Kompetenzteam vor , die Flut rollte nach Bayern und das Bundesverfassungsgericht nickte die Neuwahl ab . Ein geeignetes Instrument,  Stimmungsänderungen zu erfassen, ist die Wahlstreet . An diesem Aktienmarkt zur Bundestagswahl tippen derzeit über 2.000 Nutzer auf den Wahlausgang, indem sie Aktien der Parteien handeln. Anhand der Aktienkurse ergibt sich eine Prognose des Wahlausgangs.

Im Groben entsprechen die Werte den Voraussagen der Forschungsinstitute. An kleinen Bewegungen auf dem virtuellen Aktienmarkt lassen sich jedoch klarer die Tendenzen ablesen. Insbesondere die SPD konnte Boden gutmachen und steigt seit Wochenmitte auf knapp 31 Prozent. Die CDU/CSU liegt relativ stabil bei über 40 Prozent, der mögliche Koalitionspartner unverändert bei 7,5 Prozent. Während die Grünen bei 8,4 Prozent gehandelt werden, verliert die Linkspartei allmählich wohl ihren Charme: Sie liegt bei unter 10 Prozent, Tendenz  sinkend.

Verluste der Union zeichnen sich auch auf dem zweiten Markt ab, auf dem die Händler auf die kommende Regierungskoalition wetten. Ein schwarz-gelber Sieg wird zwar immer noch mit knapp 48 Prozent als wahrscheinlichste Option gehandelt, doch die Tendenz weist  nach unten. Eine große Koalition wird nach einem Einbruch von 3 Prozentpunkten Mitte der Woche bei 39 Prozent gehandelt. Die Fortführung der Regierungskoalition oder eine rot-rot-grüne Kombination werden mit jeweils mehr als drei Prozent als wenig wahrscheinliche Szenarien betrachtet.

Angela Merkel wird laut Wahlstreet mit 83-prozentiger Wahrscheinlichkeit Kanzlerin werden, Schröder liegt bei lediglich 13 Prozent. Auch auf die Zukunft zweier Politiker wird auf der virtuellen Börse gewettet: Zu fast 75 Prozent glauben die Händler nicht an ein Ministerium unter Edmund Stoiber. Die Frage, ob Paul Kirchhof einen solchen Posten besetzen wird, kann noch nicht eindeutig beantwortet werden. Eine knappe Mehrheit auf diesem neuen Markt glaubt bisher an einen Minister Kirchhof.