Präsident Bush will am Freitag den Südosten der USA besuchen.  Zuerst werde er sich von einem Helikopter aus ein Bild von der Lage in Mississippi und Alabama verschaffen und dann nach New Orleans in Louisiana weiterfliegen, wie der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan, am Donnerstag mitteilte. Danach will der Präsident auch einige Orte zu Fuß aufsuchen. Bush war kritisiert worden, weil er seinen Urlaub nicht sofort abgebrochen hatte.

Nach Angaben des Senders Fox vom Donnerstag ist inzwischen auch der Kongress aus seiner Sommerpause gerissen worden. Die amerikanische Regierung beantragte Mittel in Höhe von 10,5 Milliarden Dollar. Der Senat stimmte dem Paket in Washington bereits zu. Die Entscheidung im Abgeordnetenhaus steht noch aus.

Es herrscht nach wie vor Chaos: Die Zahl der Toten durch Hurrikan "Katrina" soll in die Tausende gehen, im überschwemmten New Orleans wurde das Kriegsrecht ausgerufen, um marodierende Plünderer zu stoppen, der Wiederaufbau wird vermutlich Jahre dauern. Durch überflutete Straßen treiben Leichen, die Seuchengefahr wächst . Die US-Regierung rief den Gesundheitsnotstand aus, um eine der schlimmsten Naturkatastrophen in der Geschichte des Landes in den Griff zu kriegen.

Anarchie herrschte am Donnerstag bei der Evakuierung des Footballstadions Superdome in New Orleans mit tausenden Flüchtlingen. Nach Schüssen auf einen Hubschrauber stoppte die Polizei vorerst die Rettungsaktion. Auf einer Autobahn versammelten sich hunderte Menschen und riefen Autofahrern zu: "Bitte helft uns." Andere streckten leere Becher aus und bettelten um Wasser.

Es werde Jahre dauern, bis die Region wieder aufgebaut sei, sagte US-Präsident George W. Bush nach einem Erkundungsflug mit der Präsidentenmaschine Air Force One. Die Küste im Bundesstaat Mississippi sei komplett zerstört. Der US-Präsident will zusätzlich 11 000 Nationalgardisten in die Katastrophengebiete schicken. 5000 von ihnen sollen der Polizei helfen, wieder Ruhe und Ordnung herzustellen.

Bestätigen sich die düsteren Prognosen, wird Hurrikan "Katrina" die Naturkatastrophe mit den meisten Toten in den USA seit dem Erdbeben in San Francisco im Jahr 1906. Damals waren rund 6000 Menschen ums Leben gekommen.

Die Evakuierung aus New Orleans begann am Mittwoch. Bis zu 30 000 im Superdome untergebrachte Menschen sollen vorübergehend in einem anderen Stadion im 530 Kilometer entfernten Houston (Texas) Zuflucht finden. Erste Busse kamen dort bereits an. Im Superdome funktionieren weder Duschen noch Toiletten, es ist schmutzig und unerträglich heiß. New Orleans droht in den Fluten des Pontchartrain-Sees vollständig zu versinken.