Ideenlos, mutlos, kampflos. In diesen drei Worten lässt sich das Spiel der deutschen Mannschaft gegen die Slowakei am Samstagabend zusammenfassen. Dabei hatte das Klinsmann-Team im Vergleich zur vorherigen Partie gegen Holland recht schwungvoll begonnen. Doch der Elan dauerte nur fünf Minuten. Dann übernahm der Gastgeber die Initiative. Mit einen Foulelfmeter in der 20. Minute und einem sehenswerten Heber kurz vor dem Pausenpfiff wurde Deutschland schachmatt gesetzt.

Die Spielweise erinnerte stark an das Auftreten der Nationalelf in der Ära Erich Ribbeck. Die Abwehr bewies, dass sie kein internationales Format besitzt. Wörns fiel durch Stellungsfehler auf, Mertesacker durch Langsamkeit, Hitzlsperger sowie Owomoyela zeigten Unsicherheit. Auch das Mittelfeld, zuletzt im Confed-Cup noch stärkster Mannschaftsteil, ließ die Zuschauer verzweifeln. Schneider und Ernst versteckten sich, wenn es nur ging. Ballack wurde seiner Rolle als Kapitän und Antreiber nie gerecht. Deisler, auch wenn er der aktivste Deutsche war, wirkte nervös und ungenau. Im Angriff bemühte sich Klose, konnte aber seine Chancen nicht nutzen. Asamoah fehlte es an Durchsetzungsvermögen. Schlimmer als die individuellen Leistungen aber war der Gesamteindruck. Kommunikation, Verständnis für die Laufwege der Teamkollegen und vor allem Kampfbereitschaft waren nicht vorhanden, die Niederlage war daher verdient.

Wie stark ist diese Nationalmannschaft? Im Konföderationen-Cup begeisterte Deutschland seine Fans durch Angriffsfußball. Diese Spielweise wurde mit dem dritten Platz belohnt. Lediglich die Brasilianer konnten diese Elf bezwingen, die später auch das Turnier gewannen. Es folgte im Freundschaftsspiel gegen Holland ein herber Rückschlag. Zwar konnte die Mannschaft ein Unentschieden erreichen, aber das Niveau des deutschen Spiels trieb den Fans die Tränen in die Augen. Die Partie gegen die Slowaken macht aus diesem Rückschlag eine negative Entwicklung.

Bis zur Weltmeisterschaft haben die Bundestrainer Klinsmann und Löw noch acht Spiele Zeit. Sie müssen aus der peinlichen Vorstellung vom Wochenende lernen. Es fragt sich allerdings, ob der eingeschlagenen Kurs der Führungsriege der richtige ist. Die internationale Klasse der meisten deutschen Spieler ist unbestreitbar, aber was nützt sie, wenn sich das Team nicht einspielt? Wichtig ist, dass jeder Akteur auf dem Platz weiß, wie sich die Nebenleute bewegen und wann sie wo anspielbar sind, doch die pausenlosen Spielerwechsel auf allen Positionen führen dazu, dass die Mannschaft nicht zusammenfindet. Selbst jeder Bundesligaverein hat sein Grundgerüst.

Auch die Personalpolitik des DFB ist fragwürdig. Ist es wirklich notwendig, mit Wörns oder den gegen Holland eingesetzten Hamann solche Spieler zu berufen, die ihren Zenit schon lange überschritten haben und die für eine behäbige, dynamikfreie Spielweise stehen? Nicht einmal als Leittiere werden sie gebraucht. Mit Kahn, Ballack, Frings und Schneider gibt es genügend Potenzial an internationaler Erfahrung innerhalb des Teams.

Der Bundestrainerstab schürt überdies seit Monaten die Rivalität der Torhüter Lehmann und Kahn. Wenn der eine spielt, ist der andere nicht im Kader. Auch auf dieser Position wird regelmäßig rotiert. Klinsmann will mit diesem Prinzip motivieren und Leistung herauskitzeln. Schwer vorstellbar, dass diese Führungstaktik aufgeht. Der Streit zwischen den beiden Alphamännchen kann der Elf nicht gut tun, sie führt zu Lagerbildung und Unsicherheit. Eine frühzeitige Klärung der Torwartfrage ist zwingend erforderlich.