Nach seinem von allen Ägyptern erwarteten haushohen Sieg bei den ersten Präsidentschaftswahlen mit mehreren Kandidaten sitzt Präsident Husni Mubarak so fest im Sattel wie schon lange nicht mehr. Denn trotz der Wahlfälschungsvorwürfe einiger Oppositionsgruppen, lief die Wahl für ägyptische Verhältnisse einigermaßen fair ab. Doch der Staatschef, der mit einer Amtszeit von 24 Jahren schon heute länger regiert als viele der ägyptischen Pharaonen, hat nicht alleine gesiegt. Hinter den Kulissen zog während seines nach amerikanischem Vorbild organisierten Wahlkampfes ein junges Team um seinen ehrgeizigen Sohn Gamal die Strippen. Er ist schon jetzt Vorsitzender des einflussreichen Politbüros der Nationaldemokratischen Partei (NDP) seines Vaters und hat mehrere seiner Vertrauten im Kabinett platziert.

Husni Mubarak und sein Sohn haben zwar schon mehrfach dementiert, dass sie an Gamals Aufstieg zum Präsidenten arbeiten. Doch halten es Beobachter in Kairo durchaus für möglich, dass die NDP Gamal zum Nachfolger seines Vaters krönen könnte, sollte dieser während seiner neuen sechsjährigen Amtszeit aus gesundheitlichen Gründen ausscheiden.

Doch nicht nur in der NDP vollzieht sich allmählich ein Generationswechsel. Wenige Wochen vor den Wahlen wechselte Mubarak bei den staatlichen Medien eine ganze Riege hochbetagter Herausgeber und Chefredakteure aus. Zuvor hatte er schon Informationsminister Safwat al-Scharif ausgetauscht, der ihn seine gesamte Amtszeit hindurch begleitet hatte. Bei der staatlichen Nachrichtenagentur MENA liest man, seitdem die Führungsspitze ausgewechselt wurde, sogar gelegentlich über die Aktivitäten der Opposition und die Demonstrationen der Mubarak-Kritiker.

Auch die Tatsache, dass von den beiden wichtigsten Konkurrenten Mubaraks bei der Präsidentschaftswahl nicht Noaman Gomaa von der Wafd-Partei den zweiten Platz belegt hat, sondern ein jüngerer Rivale, zeigt, dass zumindest ein Teil der Ägypter einen Neuanfang wünscht. Denn Gomaa gehört zur selben Generation wie Mubarak und seine Partei hat lange Zeit eng mit der NDP kooperiert. Der politische Neuling Eiman von der liberalen Partei Al-Ghad (Morgen), der bei der Wahl nun um einige Prozentpunkte vor Gomaa lag, ist dagegen wie Gamal Mubarak Anfang 40 und hat Präsident Mubarak im Wahlkampf scharf attackiert. Viele seiner Unterstützer denken wie der pensionierte Kairoer Buchhalter Abu Abir, der sagt: "Ich habe Eiman Nur gewählt, weil wir jemanden brauchen, der jung ist und frische Ideen mitbringt."

Noch weiß niemand, wie viele Mitglieder der alten Garde in den nächsten Wochen noch ihre Posten verlieren werden. Sie hatten sich vom Gamal-Flügel nur deshalb davon überzeugen lassen, dass kleine Reformschritte notwendig sind, weil dieser ihnen versichert hatte, dass sich dadurch am Status quo nichts Wesentliches ändern würde. Ganz oben auf der Liste der altgedienten Parteifunktionäre, die demnächst vielleicht abtreten müssen, stehen dem Vernehmen nach der Minister für parlamentarische Angelegenheiten Kamal al-Schazli, der von den Ägyptern gelegentlich als "Mubaraks Peitsche für die Opposition im Parlament" bezeichnet wird, und Parlamentspräsident Fathi Surur.

Aus Libanon, wo es nach Ansicht einiger Beobachter derzeit demokratischer zugeht als in den anderen Staaten der arabischen Welt, bekamen Mubarak & Co. an diesem Freitag einen nicht erbetenen guten Rat. Die Zeitung Daily Star schrieb: "Das Element der historischen Veränderung bei der Wahl diese Woche wird weitgehend bedeutungslos bleiben, wenn die ägyptische Regierung und das Volk sich jetzt nicht rasch auf den Weg hin zu wirklich freien und fairen Wahlen machen." Dazu werden sie schon bald Gelegenheit haben. Denn im November soll am Nil ein neues Parlament gewählt werden. Für die nächste Präsidentschaftswahl in sechs Jahren hat sich die NDP jedoch schon abgesichert. Dann werden die Bedingungen für eine Kandidatur so hoch sein, dass es kaum einem Gegenkandidaten gelingen wird, sich um das höchste Amt zu bewerben.