Der Chef der Terrorgruppe "al-Qaida im Zweistromland", der Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi, soll den irakischen Schiiten den Krieg erklärt haben. Kurz nach der bislang schwersten Anschlagserie im Irak, bei der am Mittwoch bis zu 150 Menschen getötet worden waren, wurde eine entsprechende Tonaufnahme im Internet veröffentlicht.

Eine Männerstimme erklärt allen im Irak lebenden Schiiten den "totalen Krieg". Alle anderen Religionsgruppen, die nicht ebenfalls ins Fadenkreuz der selbst ernannten Gotteskrieger geraten wollen, wurden aufgefordert, sich von der Regierung in Bagdad zu distanzieren. Anderenfalls drohe ihnen das gleiche Schicksal.

Eine Bestätigung, dass es sich tatsächlich um al-Sarkawis Stimme handelt, gab es zunächst nicht. Nach einem Bericht des arabischen Nachrichtensenders al-Dschasira ähnelt die Stimme jedoch der auf früheren von al-Sarkawi übermittelten Audio-Botschaften.

Am Donnerstagmorgen starben bei einem Selbstmordanschlag in Bagdad mindestens 20 Menschen, darunter 15 Polizisten. Wie der britische Sender BBC berichtete, wurden 21 Menschen verletzt, als der Attentäter mit seinem Auto einen Polizeikonvoi rammte. Am Mittwoch waren in der irakischen Hauptstadt knapp ein Dutzend Autobomben explodiert. Bis zu 150 Menschen wurden getötet, Hunderte weitere verletzt. Der schwerste Anschlag wurde im Schiiten-Stadtteil Kadhimija inmitten einer Menge von Tagelöhnern verübt, die auf Arbeit warteten. Allein bei diesem Anschlag starben mehr als 80 Zivilisten, über 160 weitere wurden verletzt.

Auf einer Islamisten-Internetseite wurde wenig später ein Bekennerschreiben der Sarkawi-Gruppe veröffentlicht. In der Botschaft hieß es nur, "die Löwen der Einheit Gottes" seien ausgezogen, um Anschläge in Bagdad und anderen irakischen Städten zu verüben. Das Resultat der Anschläge werde später bekannt gegeben. Die Extremisten stellten die Anschläge als Reaktion auf die Offensive der irakischen und amerikanischen Truppen gegen Aufständische in Tel Afar im Nordirak dar.