Palästinenserpräsident Machmud Abbas hat nach dem Ende der israelischen Besetzung des Gazastreifens eine Straßenverbindung ins Westjordanland gefordert. In einer vom palästinensischen Fernsehen übertragenen Rede sagte Abbas am frühen Montagmorgen, es blieben noch sehr viele Probleme im Westjordanland zu lösen.

Unter anderem nannte Abbas die jüdischen Siedlungen, die Grenzanlagen, das Problem der Flüchtlinge und der Häftlinge in israelischen Gefängnissen. Zudem seien im Gazastreifen noch viele Fragen, wie die nach der Nutzung der Seehäfen, offen. Nach dem Ende der israelischen Besatzung sollten die Palästinenser sich unter anderem auf die Wirtschaftsentwicklung und die Suche nach Investoren konzentrieren. Zum Aufbau benötigten die Palästinenser Hilfe aus der gesamten Welt, betonte Abbas.

Israel hatte sich am Montagmorgen endgültig aus dem Gazastreifen zurückgezogen. Damit endet nach 38 Jahren die Besetzung dieses Gebiets durch die israelische Armee. Gegen 6 Uhr verschlossen Soldaten das Tor am Grenzübergang Kissufim. Kurz nach Sonnenaufgang hatte der letzte Militärkonvoi den Gazastreifen verlassen. Danach errichteten Planierraupen der Armee Sperren auf der Straße und die Grenztore wurden geschlossen. Um 1 Uhr hatten sich die ersten der noch verblieben 3.000 Soldaten mit ihren Panzern und anderen Fahrzeugen in Richtung Heimat in Marsch gesetzt.

Wie palästinensische Behörden mitteilten, hatten die israelischen Soldaten gegen 3 Uhr Ortszeit alle 21 früheren jüdischen Siedlungen im Gazastreifen verlassen. Palästinensische Sicherheitskräfte nahmen die Positionen ein. In mehreren ehemaligen jüdischen Siedlungen loderten kurz danach Brände, mehrere Synagogen wurden angezündet. Zehntausende Palästinenser feierten den Abzug mit Jubel und Autokorsos. Überall waren Freudenschüsse zu hören. In der früheren Siedlung Morag zündeten Palästinenser die Synagoge an. Riesige Flammen schossen in den Nachthimmel. In die Siedlung Netzarim strömten nach dem Abzug der israelischen Soldaten Tausende jubelnde Palästinenser und legten an vielen Stellen Feuer. Auch hier wurde die Synagoge angesteckt. Vielerorts plünderten Palästinenser, was in den Siedlungen übrig geblieben war.

Kurz vor Abzug hatte sich das Kabinett von Israels Ministerpräsident Ariel Scharon am Sonntag gegen den Abriss der Synagogen entschieden. Die Palästinenserführung hatte Israel um den Abriss gebeten. Das Oberste Gericht Israels hatte den Abbruch zwar erlaubt, die Pläne hatten jedoch scharfe Kritik bei Rabbinern und rechtsorientierten Politikern hervorgerufen. Die Palästinenserführung sagte nach der Kabinettsentscheidung die Teilnahme an einer mit den Israelis vereinbarten Zeremonie zur Übergabe der Sicherheitskontrolle im Gazastreifen ab. Die Entscheidung Israels, die Synagogen zu hinterlassen, sei eine gezielte Provokation. Man wolle die Autonomiebehörde mit Bildern von einer Stürmung der Gebäude durch militante Palästinenser international bloßstellen, sagte ein Sprecher der Autonomiebehörde.