Siemens hat den Abbau Tausender Arbeitsplätze verkündet. Allein beim IT-Dienstleister SBS sollen in Deutschland in den nächsten beiden Jahren 2.400 Stellen gestrichen werden, sagte der Siemens-Vorstandsvorsitzende Klaus Kleinfeld am Montag in München. SBS-Chef Adrian von Hammerstein wird das Unternehmen verlassen. Insgesamt wird sich der Konzern durch Stellenstreichungen und Abspaltungen in seinen Krisensparten voraussichtlich von mehr als 10.000 Jobs trennen. Siemens ist mit mehr als 160.000 Beschäftigten in Deutschland einer der größten Arbeitgeber.

Weitere Stellen sollen im größeren Stil in der Kommunikationssparte Com gestrichen werden. Zudem gliedert Siemens in der Logistiksparte L&A einen Geschäftsbereich mit 5.000 Beschäftigten in eine eigenständige Gesellschaft aus. Vermutlich soll die neue Firma verkauft werden. Die IG Metall kündigte Widerstand an. "Die Beschäftigten sind sehr verunsichert", sagte Betriebsrat Wolfgang Müller. Die Geschäftsführung setze zu stark auf kurzfristige Renditeverbesserungen. Siemens hatte in den vergangenen Jahren bereits Zehntausende von Jobs gestrichen.

Vorstandschef Kleinfeld sagte, die Krisensparten sollten schnell auf einen Kurs profitablen Wachstums gebracht werden. "Die notwendigen Maßnahmen setzen wir konsequent um." Nur erfolgreiche Geschäfte könnten Arbeitsplätze sichern und schaffen. Kleinfeld betonte, dass der Termin kurz nach der Bundestagswahl Zufall sei. Man habe das Vorgehen mit Arbeitnehmervertretern absprechen müssen, dies erfordere seine Zeit. "Der Beratungsbedarf ist immens, dafür haben wir unseren eigenen Kalender." Die Gewerkschaft hatte spekuliert, Siemens nehme auf Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer Rücksicht, der wirtschaftspolitischer Berater der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel ist.

Bei Com könnte der Stellenabbau nach Einschätzung in Branchenkreisen noch größer ausfallen als bei SBS. Einschnitte seien hier unter anderem wegen der schwachen Inlandskonjunktur und der Kaufzurückhaltung bei mittelständischen Kunden notwendig, hieß es bei Siemens nach einer Sitzung des Zentralvorstands. "Damit sind Personalanpassungen verbunden, zu denen das Unternehmen Gespräche mit Arbeitnehmervertretern und IG Metall führt." Eine Größenordnung wollte Kleinfeld mit Verweis auf die laufenden Verhandlungen nicht nennen. In Branchenkreisen war von 3.000 bis über 4.000 Arbeitsplätzen die Rede. Siemens gab lediglich bekannt, dass Vertrieb und Service im Firmenkundengeschäft bei Com umstrukturiert werden sollen. Bei L&A gliedert Siemens wie schon angekündigt das Produkt- und Systemgeschäft für Materialfluss-Lösungen in die neue Dematic GmbH aus.

Bei SBS will Siemens die Kosten bis 2007 um 1,5 Milliarden Euro drücken. Die Leitung der Sparte wird Christoph Kollatz übertragen. Der 44-Jährige verantwortet bisher das Geschäftsgebiet Intelligente Verkehrssysteme bei den Industriellen Dienstleistungen. Wo die Stellen in Deutschland bei SBS gestrichen werden sollen, ließ Siemens offen.