Die indonesische Regierung hat angekündigt, in den bisher stärker betroffenen Regionen das Geflügel vorsorglich in Massen zu schlachten. In den vergangenen Tagen und Wochen sind in dem südostasiatischen Land immer mehr Infektionen bei Tieren und auch Menschen aufgetreten. Ein fünfjähriges Mädchen starb, nachdem es typische Symptome der Geflügelpest gezeigt hatte. Erste Tests haben den Verdacht nicht bestätigt, weitere Untersuchungen sollen endgültig zur Klärung beitragen. Sechs weitere Menschen stehen derweil unter ärztlicher Aufsicht, bei zwei Kindern konnte das Virus bereits nachgewiesen werden. Auch Mitarbeiter des Ragunan-Zoos in Jakarta sind unter den Verdachtsfällen. Erst am Montag hatte der Direktor des Zoos angekündigt, den Tierpark zu schließen. 19 Tiere, darunter Pfauen und Adler, hatten sich die Vogelgrippe aus noch ungeklärter Quelle eingefangen.

Seit 2003 sind nach Angaben des indonesischen Landwirtschaftsministeriums 16 Millionen Hühner und anderes Federvieh infiziert oder notgeschlachtet worden. Zudem gelang es dem Virus, auf Schweine überzuspringen. Zwei Drittel des Landes haben bisher Fälle von Vogelgrippe bei Tieren gemeldet. Seit Juli fallen der Krankheit in Indonesien auch Menschen zum Opfer. Falls die Tests eine Infektion mit H5N1 doch noch bestätigen, wäre das nun gestorbene Mädchen der fünfte Todesfall innerhalb von zwei Monaten. Damit steht Indonesien auf der Liste der betroffenen Staaten allerdings noch ganz unten. Die Gesundheitsministerin des Landes, Siti Fadilah Supari, warnte heute trotzdem vor einer raschen Ausbreitung der Krankheit, die ihrer Ansicht nach schnell zu einer Epidemie auswachsen könne.

Der Leiter des Robert-Koch-Instituts in Berlin, Reinhard Kurth, hält diese Einschätzung zu diesem Zeitpunkt aber für übertrieben. Im Gespräch mit ZEIT online sagte Kurth, die Lage sei relativ unübersichtlich, weil man die Quelle der Infektionen noch nicht kenne. Einige der möglicherweise Infizierten hätten keinen Kontakt mit Federvieh oder anderen Kranken gehabt. Außerdem hätten die Tests bei dem verstorbenen fünfjährigen Mädchen H5N1 als Erreger noch nicht eindeutig identifiziert. Man könne daher noch nicht von mehr als vier Todesfällen ausgehen. "Trotzdem halte ich die bisher getroffenen Maßnahmen der indonesischen Regierung für vollkommen richtig."