Der spanische Gerichtshof hat am Montag in einem der größten Al-Qaida-Prozesse Europas einen der Hauptangeklagten zu insgesamt 27 Jahren Haft verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der mutmaßliche Anführer der moslemischen Extremistenorganisation in Spanien, Imad Eddin Barakat Yarkas alias Abu Dahdan, mit den Attentätern vom 11. September 2001 in den USA konspiriert habe. Vom Vorwurf des Mordes in Zusammenhang mit den Anschlägen wurde er aber freigesprochen.

Die Staatsanwaltschaft hatte für die drei Hauptangeklagten, unter anderem  für den aus Syrien stammenden Abu Dahdan, ursprünglich 74.000 Jahre Gefängnis gefordert - 25 Jahre Haft für jedes der mehr als 2.900 Opfer der Terroranschläge in New York und Washington. Sie sollen direkt an den Planungen für die Anschläge beteiligt gewesen sein. Die Richter blieben mit ihrem Urteil nach einer mehr als zweimonatigen Verhandlung mit mehr als hundert Zeugen somit weit unter dieser Forderung und kamen der Verteidigung entgegen, die Freispruch gefordert hatte.

Neben Abu Dahdan wurden 17 weitere Angeklagte zu Haftstrafen zwischen sechs und elf Jahren verurteilt. Darunter auch der einstige Starreporter des arabischen TV-Senders al-Dschasira, Tayssir Alluni. Das Gericht verurteilte ihn zu sechs Jahren, nachdem es ihn für schuldig befunden hatte, mit dem al-Qaida-Netzwerk von Osama bin Laden zusammenzuarbeiten. Insgesamt sind in dem Verfahren 24 Verdächtige wegen mutmaßlicher Mitgliedschaft in der al-Qaida angeklagt. Die Attentate auf Nahverkehrszüge in Madrid am 11. März 2004 waren nicht Gegenstand des Prozesses.

Für das Verfahren hatte Spanien einen Hochsicherheitstrakt gebaut, in dem die Angeklagten hinter schusssicheren Glaskabinen saßen. Der Prozess in Madrid galt als entscheidender Test für den Erfolg der spanischen und europaweit geführten Ermittlungen gegen muslimische Extremisten.