Die Unions-Parteichefs Angela Merkel und Edmund Stoiber treffen sich am Freitag mit der Parteispitze der Grünen, Claudia Roth und Reinhard Bütikofer. Trotz allseitiger Skepsis war in den vergangenen Tagen intensiv über ein so genanntes Jamaika -Bündnis zwischen Union, FDP und den Grünen diskutiert worden.

Die Grünen-Chefs rechnen nicht damit, dass es tatsächlich zu schwarz-grünen Koalitionsverhandlungen kommen wird. »Wir haben nicht gegen Schwarz-Gelb gekämpft, um jetzt alles zu vergessen«, sagte Roth dem Münchner Merkur . Bütikofer warnte in der Welt , wenn die Grünen sich zum »Hilfsmotor« von Union und FDP degradieren ließen, wären sie »politisch tot«.

Die grüne Verbraucherministerin Renate Künast sagte der Leipziger Volkszeitung , Angela Merkel könne nicht darauf setzen, mit Hilfe der Grünen zur Kanzlerin gewählt zu werden. »Bei uns geht Inhalt vor Macht. Und die Inhalte stimmen bei Schwarz und Grün nicht überein.« Ähnlich äußerte sich der Wahlkampfchef der Grünen, Fritz Kuhn, in den Stuttgarter Nachrichten : »Jamaika ist eine Koalition, die meines Erachtens nicht geht.«

Stoiber und Merkel waren am Donnerstag auch mit SPD-Chef Franz Müntefering und Bundeskanzler Gerhard Schröder zusammengekommen, um die Möglichkeiten für eine Große Koalition auszuloten. Eine Annäherung gab es nicht, Merkel wie auch Schröder halten an ihrem Ziel fest, Kanzler einer neuen Regierung zu werden. Dennoch wurde für die kommende Woche ein weiteres Gespräch vereinbart.

Nach Meinung von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) sagte er der Neuen Ruhr Zeitung , Union und SPD seien de facto gleich stark. Denkbar sei deshalb, dass in einer Koalition erst der eine, dann der andere Partner den Kanzler stelle.

Die Union will sich nach den Worten ihres Fraktionsvizes Wolfgang Bosbach nicht erpressen lassen. »Wir haben auch überhaupt keinen Grund, Frau Merkel nicht als Kanzlerin vorzuschlagen«, sagte er der Thüringer Allgemeinen . Irgendjemand müsse »dem Kanzler mal in Ruhe erklären, dass er die Wahl verloren hat und dass er das Kanzleramt räumen muss. Das ist bei ihm schon ein galoppierender Realitätsverlust«, fügte Bosbach hinzu.