"Würden Sie Ihre Tasche bitte vorne abgeben?" Der Wärter mit dem blauen Dress deutet an, dass ich den Konzertraum noch einmal verlassen muss. Auf dem Rückweg von der Garderobe kommt mir ein Bekannter entgegen. "Da drinnen darf man nicht rauchen", sagt er kichernd und schlendert dem Ausgang zu. Ein Popkonzert ohne Taschen, ohne Zigaretten? Ah, ja, wir sind ja in der Frankfurter Schirn, einer Kunsthalle, in der andere Gesetze gelten. Sieben Konzerte gibt es diese Woche hier, in denen bildende Künstler ihre Musikprojekte vorstellen werden.

Den Anfang hat Martin Creed gemacht, Turner-Prize-Gewinner 2001 und eines der Wunderkinder der Young British Art. Mit seinen durchnummerierten Alltagsgegenständen wurde der 37-Jährige zum Vorbild einer ganzen Generation von Kunststudenten – die es offenbar nicht sonderlich beeindruckt, wenn Creed das Medium wechselt und eine Gitarre zur Hand nimmt. Jedenfalls zieht er in Frankfurt nicht mehr als 50 Interessierte.

Creed ist ein sympathischer Schlacks, Owada heißt sein Trio. Schon nach den ersten Takten ist klar, dass er musikalisch ein Kind der frühen achtziger Jahre ist. Den Sound von The Clash und Co. dampft er so lange ein, bis nur wenige Akkorde und dürre Wortschleifen übrig bleiben. Für einen Song braucht er selten mehr als einen Satz: " I like things a lot " , singt er und dann, weit weniger glaubhaft, " I don’t know what I want " . Einfach und unmittelbar ist diese Musik und darin der Objektkunst des Briten durchaus ähnlich. Seine eindringliche Phrasierung und das wuchtig-abgehackte Spiel der weiblich besetzten Rhythmusgruppe nehmen den Saal im Sturm. Allein die Wärter an beiden Bühnenrändern bleiben ungerührt und schauen, als würden sie einen Rembrandt bewachen. Zweimal schreiten sie ein: Der Laptop muss ausgeschaltet sein, und Tonaufnahmen sind hier leider nicht gestattet. Dann nehmen sie die Ohrstöpsel raus, denn Creed ist hinter den Kulissen verschwunden, nachdem er auf einem kreisenden Riff bis 100 gezählt hatte. Die Zugabe: Das gleiche Stück. Bis 200.

Lesen Sie unser Interview mit dem Direktor der Schirn Kunsthalle, Max Hollein , über Künstler als Musiker.

Die Reihe "In Concert" läuft noch bis zum 2. Oktober:
30.9. The Rodney Graham Band
( Hier als Kostprobe das Stück "One More Thing" der Rodney Graham Band )
1.10. Stephen Prina
2.10. Albers

Mehr unter www.schirn.de