ZEIT online: Was reizt Sie eigentlich an der Zone zwischen Bildender Kunst und Musik?

Hollein: Nehmen Sie Arnold Schönberg. Den haben wir als Maler gezeigt, obwohl er das Genie der Musik des 20. Jahrhunderts ist. Bei seinen Gemälden ist immer die Frage: Sind das die Werke eines Dilettanten, die wir nur interessant finden, weil ein berühmter Mann dahinter steht, oder ist ein eigener künstlerischer Ausdruckswille da?

ZEIT online: Und diese Frage steht bei In Concert wieder im Raum?

Hollein: Ja, ich sehe das aber spielerisch, ohne riesige Theorie und absoluten Ernst. Wir wollen einfach zeigen, dass es eine Reihe von zeitgenössischen Künstlern gibt, die sich bewusst auf ein anderes Terrain herauswagen. Ein Künstler wie Martin Creed würde Sie nie im Leben durch seine Ausstellung führen, aber plötzlich stellt er sich dieser Grenzerfahrung, mit einer Band vor einem anonymen Publikum zu spielen. Ein Künstler zeigt durch sein Auftreten als Musiker, in welche Persönlichkeiten er sich noch hineindenken möchte. Um das Künstlersubjekt in seiner Ganzheit zu fassen, würde ich mir diese Konzerte durchaus anschauen.

ZEIT online: Dann geht es Ihnen also nicht um ein Generalmodell, sondern eher um die persönliche Ebene: Den Künstler einen anderen Teil seines Egos ausloten zu lassen, oder zu schauen, wie die Kritik reagiert, wenn er das Medium wechselt.

Hollein: Ich glaube, in dieser Reihe sieht keiner der Künstler das, was er musikalisch tut, als manifesthaft. Es ist ein Umgang mit dem Medium an der Grenze zum Hobby - aber es sind eben bekannte, wichtige, interessante Bildende Künstler. Heutzutage wird jede öffentliche Person stilisiert. Auch Künstler sind in ihrer Erscheinung ganz genau kalkuliert. Deshalb finde ich es interessant, wenn sich solche Personen auf eine Plattform wagen, auf der sie auch ausrutschen können. Wir sagen nur: Das sind bildende Künstler, die treten hier auf - Ausgang ungewiss.

ZEIT online: Sie konfrontieren die Künstler mit einer ungewohnten Situation ...

Hollein: Das ist denen natürlich bewusst. Der Martin Creed wird sich das genau überlegt haben, ob er jetzt hier auftritt oder er lieber in einem englischen Pub spielt.