Alte Freunde der Sesamstraße kennen das Stück, es wurde einst von Kermit gesungen. Mutterseelenallein saß der Frosch auf einem Seerosenblatt und haderte mit seinem Schicksal: Bein’ Green – es ist nicht einfach, grün zu sein.

Mark Murphy singt Kermits Lied auf erschütternde Weise. Da wehrt sich jemand dagegen, ein Ausgestoßener zu sein. Mit Zischlauten, die über die Schönheit der anderen klagen. Mit rebellischen Kieksern im Falsett. Mit Bässen, die ganz tief durchhängen. Doch am Ende, nachdem Till Brönner aus seinem Flügelhorn Balsam auf die Wunden gegeben hat, klingen versöhnliche Töne an. Eigentlich ist es doch ganz gut, etwas Besonderes zu sein.

Ein Stück, das Mark Murphy auf den Leib geschrieben scheint. Unter Kennern gilt der 1932 in Fulton/New York geborene Bariton als einer der wichtigsten Sänger des Jazz. Sechsmal wurde er für den Grammy nominiert, bei den jährlichen Jazz Polls im amerikanischen Fachblatt Down Beat taucht sein Name immer wieder auf. Sogar Ella Fitzgerald ließ sich von ihm begeistern. "Es war in einem Club in London", erzählt Murphy bei einem Besuch in Berlin in einem Büro seiner Plattenfirma. "Ella kam zu mir auf die Bühne und wir sangen gemeinsam. Ich hätte das nie für möglich gehalten. Nach dem Konzert fragte sie mich, ob ich ihr ein Autogramm geben könne. Von ihr bekam ich keins." Beim Verlassen des Clubs soll Ella Fitzgerald dann den Umstehenden erklärt haben: "Wie könnte ich ihm ein Autogramm geben?"

Alles Lob hat Mark Murphy über weite Strecken seiner Karriere indes nicht viel eingebracht. 1963 hatte er, der von seiner Plattenfirma als neuer Dean Martin aufgebaut werden sollte, mit einer markanten Interpretation von Fly Me to the Moon einen Hit in Amerika. Doch schwappte zur gleichen Zeit die Musik der Beatles über den Atlantik – Pech für ihn. "Man kann sich gar nicht vorstellen, was der Sechziger-Jahre-Pop angerichtet hat. Er zerstörte achtzig Prozent dessen, was das Musikgeschäft in den sechzig Jahren zuvor hervorgebracht hatte", sagt Murphy mit einem bitteren Lachen, das sich durch die Register schraubt wie seine unorthodoxen Scat-Einlagen.

Über Nacht war sein Stil nicht mehr gefragt. Es verschlug ihn nach Europa, wo er sich als Schauspieler ausprobierte und nebenher eine Reihe beachtlicher Aufnahmen für kleine Labels einspielte. Großen Erfolg hatten sie nicht. "Wenn mich jemand nach meinem Beruf fragte, sagte ich: Ich bin Klempner. Aber ehrlich gesagt: Es ist okay, wenn man versagt. Weil man wieder hoch kommt. Man wacht am nächsten Morgen wieder auf – und findet etwas anderes, mit dem man versagen kann."

Erst in den vergangenen Jahren konnte Murphy ein Comeback bei jugendlichen Zuhörern feiern, als geschichtsbewusste Acid-Jazz-Nostalgiker wie Gilles Peterson oder U.F.O. die eigentümliche Stimme des Amerikaners in ihre Stücke einspeisten.