"Höhö, die werden wir schon schaffen." Arrogantes Lächeln, die Hand zur Faust geballt, voller patriarchalischer Verachtung für die Frau, die ins Kanzleramt will. Höhö, so höhnt nur das Kanzler-Alphamännchen, das sich in Männerbünden so wohl fühlt und jeden Versuch, die sektierisch-tradierte Männerkaste zu knacken, mit üblen Nackenschlägen quittiert. Höhö, so lachen nur grobschlächtige Männer, so lachen die Schröders, Münteferings, Stoibers und Kochs dieser Welt. Frauen lachen ganz anders: Hihi.

So zeichnet Alice Schwarzer, 62, Emma -Herausgeberin und Feministin, ihre Welt von Böse gegen Gut, von Mann gegen Frau, in einem Artikel für die aktuelle Ausgabe des Spiegels . In "Verachtung der Demokratie" fährt sie schwere, zu schwere Geschütze auf, obwohl sie sich laut Untertitel doch eigentlich die Geschlechterrollen im Kampf ums Kanzleramt zu analysieren vorgenommen hat.

Ganz im Gegensatz zum unklaren Bundestagswahlergebnis kommt Schwarzer dabei zu ganz klaren und ihrer Meinung nach eindeutigen Ergebnissen: Nichts anderes als Merkels Frausein sei die hauptsächliche Hürde auf dem steinig-patriarchalischen Weg ins Kanzleramt. Ein "starker Mann" (Schröder) könne schlimmstenfalls von einem anderen Mann besiegt werden - aber niemals von einer Frau, mutmaßt Schwarzer. Warum? Ja, weil das Alphatiermännchen einen solchen Gesichtsverlust niemals ertrüge. Dann schon lieber die demokratischen Spielregeln brechen und einfach Kanzler bleiben wollen, obwohl die Wahl doch eine (wenn auch schwache) Mehrheit für die CDU und Merkel ergeben hat. Höhö, hört man Schröder, den dunklen Chef einer männerbündnerischen Politikergilde, im Gedanken schon höhnen.

Schwarzer überhöht ihre Vorwürfe maßlos: "Hier geht es um die symbolische Liquidation des Führungsanspruchs der Frau", stellt sie fest. Und als sei das des harten Tobaks noch nicht genug, gipfelt Schwarzer in: "Damit ist nicht nur Angela Merkel, sondern es sind alle Frauen gemeint." Und für nicht weniger als alle Frauen zieht sie mit ihrem Artikel ins Feld. Ist der Eindruck da so falsch, dass Schwarzers Alleinvertretungsanspruch ähnlich vermessen klingt wie Schröders "Ich bin und bleibe Kanzler"-Gebaren nach der Wahl?

Der Artikel ist pointiert und ansprechend geschrieben, ganz so wie man es von Alice Schwarzer gewohnt ist. Sie bringt den momentanen Zustand der SPD auf den Punkt, indem sie ihr attestiert, in sieben Jahren Regierungspraxis "zu einem geschlossenem System mutiert" zu sein - mit eigenen Gesetzen, die "der starke Mann", wahlweise Schröder oder Müntefering, bestimmt und festlegt. Nun wäre aber Schwarzer keine Feministin, würde sie die Geschlechterfrage nicht zum entscheidenden Kriterium hochstilisieren. Und an diesem Punkt, der Geschlechterfrage, bricht ihr der Argumentationsstrang vollends ein. "Einer demokratisch gewählten Kanzlerin steht dieselbe Fairness und derselbe Respekt zu wie einem Kanzler", schreibt sie.

Ja richtig, Respekt und Fairness stehen jedem zu, auch den Figuren in der politischen Manege. Und darum lohnt auch die Diskussion darüber, ob Schröders "krawalliges" und "suboptimales" Verhalten hinnehmbar ist oder nicht. Ob einem Schröder durch solches Gebaren nett und sympathisch oder fies und machtgeil vorkommt. Ansichtssache. Und das möge ein jeder für sich spätestens in der Wahlkabine entscheiden. Aber Schwarzer irrt, wenn sie Merkel jetzt schon für eine demokratisch gewählte Kanzlerin hält. Gewählt wurden Parteien, die im Bundestag als Fraktionen erst Regierungsmehrheiten hinkriegen müssen. Deutschland, und das unterschlägt Alice Schwarzer mal eben so, weil es ihr nicht in den Kram passt, hat kein Präsidialsystem. Keiner konnte MerkelSchröderWesterwelleFischerLafontaine als KanzlerIn direkt wählen. Merkel hat bislang keine Mehrheit im Bundestag. Punkt.