Eine "grundsolide Vorstellung". Mit diesen Worten kommentierte der Vorstandsvorsitzende des Energieriesen RWE vor kurzem das Geschäftsergebnis des Konzerns für das erste Halbjahr. Auf 1,4 Milliarden Euro belaufe sich der Gewinn, verkündete er den Aktionären. Eine frohe Botschaft.

Was RWE nun seinen Kunden androht, ist weniger erfreulich. Anfang 2006 sollen die Strompreise – wieder einmal – steigen. Sechs Prozent mehr will der Essener Konzern seinen Tarifkunden abverlangen, andere Stromanbieter sind nicht weniger unbescheiden. In Nordrhein-Westfalen und in Hessen, in Brandenburg und in Sachsen-Anhalt – quer durch die Republik stapeln sich in den zuständigen Wirtschaftsministerien derzeit die Anträge der Stromlieferanten, vom kommenden Jahr an mehr für die Edelenergie kassieren zu dürfen. Teilweise sollen die Strompreise sogar um zweistellige Prozentsätze steigen.

Ist das unanständig?

Gewinne zu machen und zu fordern, was der Markt hergibt, ist weder verboten noch anstößig, normalerweise. Trotzdem lässt sich über die Preisforderungen trefflich lamentieren. Verständlich ist die Hoffnung der Verbraucher und ihrer Anwälte, die Wirtschaftsminister der Länder mögen die Anträge der Stromanbieter nicht einfach durchwinken; vor einem Jahr beispielsweise begrenzte der hessische Wirtschaftsminister Alois Riehl (CDU) die damals von den Stromversorgern beantragten Preissteigerungen tatsächlich auf die Hälfte.

Warum aber, das ist die eigentliche Frage, warum muss die Strombranche ihre Preise genehmigen lassen, während der Preis für Joghurt von Angebot und Nachfrage bestimmt wird, sich also auf dem Markt bildet? Ganz einfach: Weil der Wettbewerb auf dem Strommarkt, formal im Frühjahr 1998 verordnet, bis heute eine Illusion geblieben ist.