Nach dem Wüten der Hurrikans "Katrina" und "Rita" diskutiert Washington wieder über einen besseren Klimaschutz. Die Regierung von Präsident George W. Bush stemmt sich zwar nach wie dagegen, explizite Vorschriften zu erlassen, mit denen der Ausstoß klimaerwärmender Treibhausgase eingeschränkt werden könnte. Dafür ergreifen nun Unternehmer die Initiative. Immer mehr amerikanische Firmen legen ihre Emissionen nicht nur offen und reduzieren den Ausstoß, sondern sie fordern auch staatliche Regulierung. "Die Situation hat sich in fünf Jahren enorm geändert", sagt Andrew Aulisi vom World Resources-Umweltinstitut.

Nur wenige Unternehmer hatten bislang ihr Interesse am Klimaschutz laut geäußert. Aus gutem Grund. Umweltschutzorganisationen berichten unabhängig voneinander, sie wüssten von Unternehmen, die von höchsten Regierungskreisen gedrängt wurden, in Sachen Klimaschutz nicht von der offiziellen Linie abzuweichen. "Firmen haben immer lange Wunschlisten von dem, was sie vom Gesetzgeber wollen. Die Regierung hat tausend Wege, Firmen zu strafen", sagt einer. Furchtlos ist Paul Anderson, Chef des Stromerzeugers Duke Energy. "Der Zeitpunkt zum Handeln ist da", sagte er im Frühjahr und forderte offen eine Steuer auf Kohlendioxid-Emissionen.

"Die Firmen wollen gleiche Wettbewerbsbedingungen", sagt Peyton Fleming von Ceres, einem Netzwerk aus Investoren und Umweltschützern in Boston, das Emissionskontrollen durchsetzen will. Unternehmen, die in neue Technologien investieren, fürchteten Vorteile für Konkurrenten, die nichts tun. Stromerzeuger, die sich Preiserhöhungen genehmigen lassen müssen, könnten Investitionskosten nicht an Kunden weitergeben, wenn keine zwingenden Richtwerte vorliegen.

Doch nun kündigte General Electric eine Reduktion seiner Treibhausgasemissionen bis 2012 um ein Prozent an. Ohne diesen Aktionsplan wären die Emissionen in dem Zeitraum um 40 Prozent gestiegen. Bis 2010 will der Konzern 1,5 Milliarden Dollar in Wind- und Wasserenergie investieren. "Wir können warten, bis eine Krise uns zwingt zu handeln, oder wir können die harten Fragen jetzt stellen", schreibt der Ölkonzern Chevron in großen Zeitungsanzeigen. "Welche Rolle spielen erneuerbare und alternative Energien?"

Die Regierung Bush hält dagegen,  erzwungene Emissionsgrenzen hemmten das Wirtschaftswachstum. Stimmt nicht, erwidern manche Unternehmer. "Durchdachte Richtlinien, die die Emissionswerte graduell und überschaubar reduzieren, können ohne größere Probleme für Unternehmen oder Wirtschaft durchgesetzt werden", gab der Stromerzeuger Cynergy in der Umfrage des Pew-Centers für Klimawandel zu Protokoll. Das Zentrum bringt Umweltschützer und progressive Unternehmer auf der Suche nach Lösungen zusammen. "Die Firmen, die investierten, um ihre Emissionen zu senken, haben mehr gespart als ausgegeben", sagt Truman Semans vom Pew-Center.

Gruppen wie Ceres und ICCR, in dem Investmentmanager religiöser Gruppen zusammenarbeiten, haben dem Umdenken gehörig aufgeholfen. Die im ICCR organisierten Manager verwalten mehr als 100 Milliarden Dollar. Die Portfolios der von Ceres zusammen gebrachten zwei Dutzend institutionellen Anleger aus den USA und Europa umfasst mehr als drei Billionen Dollar. "Wir fordern Firmen auf, finanzielle Risiken darzulegen, die ihre Treibhausgas-Emissionen eines Tages bedeuten können, und Lösungen zu entwickeln", sagt Leslie Lowe von ICCR. "Viel zu viele Unternehmen schauen nur auf den nächsten Quartalsbericht."

Ceres hat die drei größten Pensionsfonds mit mehr als 400 Millionen Dollar Investmentvermögen als Unterstützer für ICCR gewonnen. ICCR und Ceres formulieren Resolutionen für Aktionärsversammlungen, mit denen di Anteilseigner ihren Vorstandsvorsitzenden das Thema Klima aufzwingen können. Allein im vergangenen Jahr wurden in 19 Aktionärsversammlungen 30 solche Resolutionen verabschiedet, sagt Semans.