Die Gesundheitsminister der europäischen Union haben sich in London zusammengesetzt, um sich zwei Tage lang über notwendige Strategien zur Bekämpfung der Vogelgrippe zu beraten. Deutschland hat indessen damit begonnen, die am Mittwoch von Bundesverbraucherminister Jürgen Trittin erlassene, bundesweite Stallpflicht umzusetzen. Deutsche Hühner, Enten und Gänse müssen künftig in Ställen gehalten werden, um sie vor einer Infektion mit dem gefährlichen Vogelgrippe-Virus H5N1 zu schützen. Es ist die erste Anordnung dieser Art in der Geschichte der Bundesrepublik. Das Freilaufverbot soll möglichst schon am Donnerstag, spätestens jedoch am Samstag umgesetzt werden. Danach muss - zunächst bis zum 15. Dezember - sämtliches Geflügel eingesperrt bleiben. Im europäischen Teil Russlands, etwa 200 Kilometer südlich von Moskau, war zuvor der Erreger H5N1 nachgewiesen worden. In Rumänien bestätigte sich ein zweiter Verdachtsfall, während sich bei dem Verdacht in Griechenland vermutlich um falschen Alarm handelt.

Die Risikolage habe sich verändert, sagte Trittin. Die Situation sei Besorgnis erregend. Der Minister begründete die Eil-Verordnung damit, dass zwischen der betroffenen russischen Region und Deutschland direkter Vogelzug bestehe. Die Stallpflicht soll nun für die restliche Zeit des diesjährigen Vogelzugs gelten. In Fällen, in denen die Verordung nicht befolgt werden könne, müsse der Kontakt zwischen Haus- und Wildvögeln durch andere Mittel vermieden werden.

Der Minister bat die Länder, die Stallpflicht sofort umzusetzen. Sie werde mit der Veröffentlichung im Gesetzblatt wirksam, möglichst an diesem Donnerstag, voraussichtlich aber am Freitag und spätestens am Samstag. Die Bundesländer seien sich in einer Telefonkonferenz bei der Abschätzung des Risikos einig gewesen, sagte Trittin. Nach bisherigen Erkenntnissen gebe es in Deutschland noch keine erkrankten Vögel, betonte er. Wie die anderen EU-Länder verfahren, sei nicht bekannt. In der kommenden Woche werde sich der EU-Agrarrat treffen.

Die Vereinten Nationen (UN) warnten nachdrücklich vor einem Übergreifen der Vogelgrippe auf den Nahen Osten und Ostafrika. "Eine der Hauptsorgen ist jetzt die mögliche Ausbreitung der Vogelgrippe durch Zugvögel ins nördliche und östliche Afrika", mahnte Joseph Domenech, Veterinärexperte der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) in Rom. Arme afrikanische Länder hätten größere Schwierigkeiten bei der Bekämpfung der Krankheit als europäische und asiatische Staaten.

In Europa breitet sich die Vogelgrippe bereits weiter aus. Wissenschaftler fanden das Virus am Mittwoch erstmals in Proben aus dem europäischen Teil Russlands. Im betroffenen russischen Gebiet Tula waren in den vergangenen Tagen etwa 250 Vögel verendet. In den Monaten zuvor war das Virus nur östlich des Urals entdeckt worden. Der Antikörper sowie genetisches Material des Subtyps H5N1 sei in einigen Proben nachgewiesen worden, teilte ein auf Vogelgrippe spezialisiertes Labor in der russischen Stadt Wladimir mit. Das betroffene Dorf Jandowka wurde unter Quarantäne gestellt.

Für die Hauptstadt Moskau mit ihren elf Millionen Einwohnern bestehe keine Gefahr, sagte der russische Landwirtschaftsminister Alexej Gordejew. In den vergangenen Monaten hatten nach Behördenangaben 51 Orte in Russland Fälle von Vogelgrippe gemeldet. In ganz Russland sei bislang aber nur in zwei Fällen das gefährliche Virus H5N1 ermittelt worden. In 19 weiteren Verdachtsfällen stehen die Testergebnisse noch aus.