Die Berliner Zeitung wird an eine britisch-amerikanische Investorengruppe verkauft. Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, zu der auch die ZEIT und ZEIT online gehören, gab der Investmentgesellschaft Veronis Suhler Stevenson (VSS) und der britischen Mecom-Gruppe des Investors David Montgomery den Zuschlag für den traditionsreichen Berliner Verlag. Das Verlagshaus gibt neben der Berliner Zeitung auch  das Boulevardblatt Berliner Kurier und das Stadtmagazin tip heraus.

Der Kaufvertrag unterzeichneten die Beteiligten am Montagabend. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart. Die britische Zeitung Independent bezifferte den Verkaufspreis auf 100 Millionen Pfund (147,6 Millionen Euro). Am Dienstagvormittag wurde im Berliner Verlag eine Betriebsversammlung angesetzt.

Im Aufsichtsrat des Verlages soll das ehemalige Bertelsmann-Vorstandsmitglied Gerd Schulte-Hillen sitzen. Aufsichtsratsvorsitzender wird Mecom-Chef Montgomery, der in Großbritannien als harter Sanierer gilt. "Wir werden die stolzen Hüter der Publikationen des Berliner Verlages sein und die höchsten Standards journalistischer Qualität, verlegerischer Integrität und guten Managements einhalten", sagte Montgomery. Der Berliner Verlag solle eine Plattform für ein weiteres Engagement in deutschen Regionalzeitungen werden. Das Verlagsmanagement werde mit Anteilen zwischen 5 und 10 Prozent am Unternehmen beteiligt, sagte der Brite.

Holtzbrinck, dem in Berlin auch der Tagesspiegel gehört, hatte 2002 den Berliner Verlag von Gruner und Jahr erworben. Das Kartellamt legte ein Veto ein, weil Holtzbrinck durch die Übernahme den Berliner Markt für Abonnentenzeitungen beherrscht hätte. Eine Reform des Pressefusionsrechts, mit der eine Verlagsfusion ermöglicht werden sollte, scheiterte im Bundesrat. Marktführer in Berlin ist die Berliner Morgenpost des Verlages Axel Springer.

Gegen den Verkauf hatte die Belegschaft des Berliner Verlages protestiert. Sie befürchtet einen Stellenabbau und einen Qualitätsverlust. Der Chefredakteur der Berliner Zeitung , Uwe Vorkötter, hatte öffentlich den Verkauf an die Investoren abgelehnt. Auch Politiker und Gewerkschafter hatten vor einem Präzedenzfall gewarnt.

Montgomery sagte dazu, er werde zunächst mit der Verlagsspitze über weitere Schritte beraten. Eine Zusage für die Erhaltung von Arbeitsplätzen wolle er aber nicht abgeben. Er habe Vorkötter gebeten, in seiner Position zu bleiben. Die Berliner Zeitung hat eine Auflage von 182.000 Exemplaren. Der Berliner Kurier verkauft täglich rund 136.000 Exemplare.