Zum gefürchteten Eklat ist es dann doch nicht gekommen. Der ehemalige Mannesmann-Boss Klaus Esser hat sich zurücknehmen können. Am Ende des zweiten Verhandlungstages im Revisionsprozess vor dem Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe, nach zweimal beinahe neun Stunden, lautete der emotionalste Satz seines Schlussworts: "Ich bitte Sie, als richtig zu bestätigen, dass das Düsseldorfer Landgericht mich freigesprochen hat."

Natürlich auch, weil er überzeugt ist, alles richtig gemacht zu haben. Grundsätzlich. Er hat den hohen Bonus, den er nach der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone einstrich und um den sich (beinahe) alles dreht, "angenommen", aber "erbeten, erstrebt habe ich ihn nicht." Eigentlich hatte er ihn gar teilen wollen, mit seinem Team. Daraufhin wurde die Summe verdoppelt, auf 20 Millionen britische Pfund, das wären etwa dreißig Millionen Euro.

Esser betonte, früher als andere habe er sich strikt an den Kodex für "Corporate Governance" gehalten, der die Regeln für saubere Unternehmensführung formuliert. Wie strikt, das belegt er mit dem Umstand, dass er - "einmalig in Deutschland" - seinen Bonus in einem Börsenprospekt veröffentlicht hatte. Dass die Öffentlichkeit die Riesensumme kritisiere, "das akzeptiere ich. Aber das ist eine Gesellschaftsfrage, keine Rechtsfrage", sagte er.

Gleichwohl hat sich am Freitag von Stunde zu Stunde der Eindruck verdichtet, das von der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft und der Karlsruher Bundesanwaltschaft angegriffene Urteil werde aufgehoben. Dann käme es zu einer Neuauflage des Prozesses vom dem Düsseldorfer Landgericht. Die Entscheidung des BGH wird am 21. Dezember dieses Jahres bekannt gegeben.