Der Bundesgerichtshof verhandelt von diesem Donnerstag an die Revision des Düsseldorfer Mannesmann-Prozesses. Es geht um die Frage, ob durch die Millionenprämien, die nach der Fusion Mannesmanns mit der britischen Vodafone an leitende Manager gezahlt wurden, das Vermögen des Unternehmens geschädigt wurde.

Konkret wirft die Bundesanwaltschaft den  Angeklagten vor, sie hätten sich wegen Untreue und Beihilfe strafbar gemacht. Die Leistungen des Mannesmann-Vorstandsvorsitzenden Klaus Essers seien durch seine vertragliche Vergütung schon in vollem Umfang abgegolten gewesen, argumentierte Bundesanwalt Gerhard Altvater. "Ein Anlass, bereits bezahlte Leistungen ein zweites Mal zu vergüten, bestand nicht", sagte Altvater mit Blick auf den an Esser gezahlten Bonus von fast 16 Millionen Euro.

Der BGH überprüft in mündlicher Verhandlung auch die umstrittenen Freisprüche für Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und weitere vier Angeklagte aus dem Urteil des Landgerichts  Düsseldorf vom 22. Juli 2004. Das Gericht hatte Prämien und Pensionsabfindungen von insgesamt 57 Millionen Euro für Manager und ehemalige Vorstände nicht als strafbare Untreue eingestuft. Mit einem Urteil wird erst in einigen Wochen gerechnet.

Zum Auftakt der Verhandlung dämpfte der Vorsitzende des 3.Strafsenats, Klaus Tolksdorf, die Hoffnung auf ein Grundsatzurteil. Das Gericht werde keine grundsätzlich neuen Antworten auf die Frage geben, ob und bei welcher Höhe das Strafrecht Managergehältern Grenzen setze. "Ob Zahlungen in solcher Höhe moralisch zu rechtfertigen sind, ob sie anstößig sind, darüber mag man geteilter Auffassung sein." Für die strafrechtliche Beurteilung spiele das keine Rolle.

Tolksdorf stellte klar, dass die Verantwortlichen von Unternehmen bei riskanten Entscheidungen einen weiten Ermessensspielraum hätten; andernfalls wären sie immer dann, "wenn die Rechnung nicht aufgeht und am Ende ein Verlust steht", von Strafverfolgung bedroht. Er äußerte sich aber skeptisch, ob es bei den Mannesmann-Prämien um einen solchen Fall gehe: Maßnahmen, die zum sicheren Vermögensverlust führten, seien in jedem Fall pflichtwidrig und damit strafbar.