Tests hatten in dem vor Wochen aus Südamerika importierten Papagei ein Virus vom Typ H5 gefunden. Der Papagei befand sich zusammen mit weiteren Vögeln in Quarantäne, darunter auch 216 Tiere aus Taiwan. Alle Vögel mussten getötet werden. Ob es sich bei dem Erreger des Papageis um das gefüchtete Virus H5N1 handelt, ist noch unklar. EU-Kommission und britische Behörden zeigten sich jedoch zufrieden über die Wirksamkeit der Quarantänemaßnahmen. Sollte sich der Verdacht auf H5N1 bestätigen, wäre allerdings wahrscheinlich, dass sich der Vogel erst nach seiner Ankunft in Großbritannien - also in der Quarantäne - angesteckt hat. Die Zeit zwischen Infektion und Ausbruch einer Vogelgrippe beträgt nur wenige Stunden bis Tage. Unterdessen wurden auch aus Kroatien erste Verdachtsfälle gemeldet. 200 Kilometer östlich von Zagreb trieben fünf tote Schwäne in einem Teich. Auch in diesem Verdachtsfall steht die endgültige Klärung des Virustyps aber noch aus.

In Deutschland gilt ab dem heutigen Samstag eine bundesweite Stallpflicht. Mehrere Bundesländer kündigten scharfe Kontrollen des am Mittwoch verhängten Freilaufverbots an. Bereits am Donnerstag hatte es in Deutschland Entwarnung in einem der ersten Verdachtsfälle gegeben: Das Testergebnis für einen Geflügelbetrieb in Baden-Württemberg fiel eindeutig negativ aus. In dem Dorf Jandowka südlich von Moskau, wo das Vogelgrippe-Virus zuvor offiziell bestätigt worden war, begannen die Behörden dagegen mit der Tötung des gesamten Geflügelbestandes. Die EU verschärfte das Importverbot von Geflügel aus Russland.

Wildgänse aus dem Großraum Moskau ziehen nach Expertenangaben derzeit zu Zehntausenden Richtung Westeuropa. Der Vogelzug der Saat- und Blessgänse erlebe momentan seinen Höhepunkt, sagte der Leiter der Beringungszentrale Hiddensee, Ulrich Köppen. "Wenn Wildvögel tatsächlich die Überträger des gefährlichen H5N1- Virus sind, dann geht derzeit von den Gänsen die größte Gefahr aus." Es sei zu erwarten, dass infizierte Vögel aus der Region Moskau nach Deutschland und in die EU einfliegen, berichtet das Friedrich-Loeffler-Institut auf der Ostseeinsel Riems in einer Risikobewertung. Das Einschleppungsrisiko sei "mäßig bis hoch".

An dem Vogelgrippe-Erreger H5N1 seien im russischen Dorf Jandowka bisher etwa 300 Vögel verendet, meldete die Agentur Itar-Tass am Donnerstag. In dem Ort 280 Kilometer südlich von Moskau tötete man bereits mehr als die Hälfte der etwa 3000 Hühner, Enten und Gänse. Wildvögel im angrenzenden Wald werden abgeschossen, das Dorf ist abgeriegelt.

Auch in Österreich muss nach eine Anordnung der Regierung in Wien nun das gesamte Geflügel in den Stall. Auch für die polnischen Weihnachtsgänse gilt vom Wochenende an "Hausarrest". Derweil konnten erste Tests den Vogelgrippe-Verdacht in Griechenland nicht bestätigen.

Nach den verschärften Importbestimmungen dürfen nun auch Wildvögel wie Fasane und unbehandelte Federn aus Russland nicht mehr in die EU gelangen, wie eine Sprecherin der Kommission sagte. Einfuhren lebendem Geflügel sind bereits verboten. Auch für andere betroffene Länder gibt es umfassende Importverbote. In Israel wird derweil der alljährliche Flug von 500 Millionen Zugvögeln über das Jordantal und entlang der Küste mit wachsender Sorge gesehen. Tiermediziner befürchten ein Übergreifen auf den Nahen Osten.

Trittin wandte sich gegen das Impfen von Geflügel. "Sie können nicht mehr unterscheiden zwischen einem kranken und einem geimpften Tier. Das produziert den gleichen Antikörper", sagte er der ARD. Dagegen verlangte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner, ein Umdenken. "Impfen statt Töten", forderte er.

Bayern, Baden-Württemberg und das Saarland hatten bereits vor Trittins Eilverordnung ein landesweites Freilaufverbot erlassen. In Niedersachsen, Deutschlands größtem Geflügelproduzenten, muss von Samstag an alles Federvieh in den Stall. Nach Ministeriumsangaben gibt es dort etwa 72 Millionen Tiere. Trotz wachsender Furcht vor einer Ausbreitung der Seuche findet an diesem Wochenende eine Geflügelschau in Hannover statt: Züchter aus ganz Deutschland wollen auf dem Messegelände rund 17 000 Hühner, Gänse, Enten und Puten zeigen. Geflügelmärkte sind nach der neuen Verordnung des Bundes unter gewissen Umständen erlaubt, in Bayern allerdings nicht.

Tiermediziner aus Sachsen- Anhalt wollten am gestrigen Freitag bei einem Treffen in Magdeburg noch klären, wie etwa bei Straußen verfahren wird, die nicht ohne weiteres eingesperrt werden könnten. Als problematisch gilt auch die Unterbringung von Gänsen im Stall. Allerdings können auch Zelte aufgebaut, Netze gespannt und Freiflächen überdacht werden. Bei Verstößen drohen Geldstrafen bis zu 25 000 Euro, in Bayern müssen renitente Geflügelzüchter sogar mit dem Abtransport ihrer Tiere rechnen. Selbst Zoos bringen jetzt ihr Federvieh in Fasanerien und andere Stallungen.