Es wird einsam um Tony Blair. Mit David Blunkett hat er nun einen seiner wichtigsten politischen Verbündeten im Kabinett verloren. Für Blunkett gab es keine Alternative: Der Minister für Arbeit und Renten musste gehen. Das zweite Mal binnen zehn Monaten.

Im Dezember vergangenen Jahres erst war der blinde Politiker, damals noch Innenminister, gezwungen gewesen, seinen Hut zu nehmen. Er hatte sich in den Visum-Antrag für das philippinische Kindermädchen seiner Geliebten eingeschaltet. Diesmal wurde dem Minister ein dreifacher Verstoß gegen die Regeln für ehemalige Mitglieder des Kabinetts zum Verhängnis: Blunkett hatte nach seinem Rücktritt diverse berufliche Aufgaben übernommen, unter anderem wurde er Direktor von DNA Science, einem Unternehmen, das sich auch um Regierungsaufträge bemüht. Er hatte es jedoch versäumt, seine beruflichen Schritte dem zuständigen Komitee mitzuteilen.

Für sich genommen war der Verstoß nicht gravierend, zumal Blunkett kein direkter Interessenkonflikt nachgewiesen werden kann. Zum Verhängnis wurde ihm indessen die Tatsache, dass er zu Beginn der Woche dem Premier in einem Krisentreffen nicht reinen Wein eingeschenkt und ihn nicht über einen weiteren Job informiert hatte. Das gab den Rest. Zumal sich in der Labourfraktion des Unterhauses Unmut über Blunketts erstaunlichen Mangel an Urteilsvermögen angestaut hatte. Zuletzt gab es kaum jemanden mehr, der bereit war, den Minister gegen die Vorwürfe der Opposition und die anhaltende Pressekampagne zu verteidigen.

Geschwächt war auch sein Rückhalt im Kabinett, in das ihn Tony Blair nach dem Wahlsieg im Mai zurückberief. Seine Kollegen hatten nicht die abfälligen Bemerkungen vergessen, mit denen Blunkett im Gespräch mit seinem Biografen über den Rest des Kabinetts hergezogen war – offenkundig ohne einen Gedanken darauf zu verschwenden, was die Veröffentlichung für Folgen haben würde.

Die Arroganz des blinden Ministers, die sich in dieser Episode offenbarte, trug dazu bei, dass sich das Mitleid in anderer Sache von Kabinett und Partei in Grenzen hielt. Das bewegte Privatleben Blunketts war von der Presse mit Gusto ausgeschlachtet worden und diente als Vorlage für eine Fernsehsatire der BBC, die gerade ausgestrahlt wird. David Blunkett, einst Liebling der Labourlinken, seit langem aber harter Reformer im Sinne New Labours, galt seinen Genossen nur noch als Ärgernis. Der Vorrat an Wohlwollen war aufgezehrt. Auch der Premier mochte sich nicht länger für Blunkett stark machen.

Der Führer der Opposition, Torychef Michael Howard, nutzte den Abgang des Ministers nicht nur dazu, auf Blairs Einsamkeit in einem „Kabinett ohne Verbündete“ hinzuweisen – eine Behauptung, die nicht völlig aus der Luft gegriffen ist. Er verspottete den Premier zugleich als „ lame duck “: „Im Amt, aber nicht mehr an der Macht“ sei Blair. Howard bediente sich damit des Slogans, den einst Labour gegen die letzte konservative Regierung unter John Major verwendet hatte. Gewisse Indizien für einen schleichenden Autoritätsverlust des Premiers lassen sich durchaus finden. Seine Minister beharkten sich in den vergangenen Wochen öffentlich, stritten heftig über Rauchverbot und Schulreform und vermittelten den Eindruck, dass dem Premier langsam aber sicher die einst so straff geführten Zügel zu entgleiten beginnen. Doch Blairs Zeit im Amt ist nun mal begrenzt, nachdem er selbst die Entscheidung traf, nicht noch einmal in eine Wahl zu ziehen.