Vollkommen unbeeindruckt von allen internationalen Protesten hat der neue iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad seine Verbalattacken gegen den jüdischen Staat am Freitag verteidigt. Gleichzeitig zogen am so genannten Jerusalem-Tag Hunderttausende Iraner bei staatlich organisierten anti-israelischen Massenprotesten durch Teheran und andere iranische Städte. Sie verbrannten israelische Flaggen und skandierten Parolen wie "Tod für Israel". Israel verlangte unterdessen den Ausschluss Irans aus der Weltgemeinschaft. UN-Generalsekretär Kofi Annan kündigte an, dass er zu Gesprächen nach Teheran reisen wird.

Die anti-israelischen Demonstrationen finden seit der iranischen Revolution 1979 jedes Jahr am letzten Freitag im Fastenmonat Ramadan statt. Ahmadinedschad, der wie immer persönlich an den Protesten teilnahm, bezeichnete seine umstrittenen Äußerungen vom Mittwoch als "angemessen". "Sie (die Politiker im Westen) fordern immer nur und denken, dass die ganze Welt ihren Forderungen gehorsam nachkommt", sagte er der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA.

"Daher ist es nur natürlich, dass sie derart auf angemessene Bemerkungen reagieren", fügte er unter Hinweis auf die weltweite Empörung über seine Äußerung hinzu, den "Schandfleck Israel aus der islamischen Welt zu tilgen". Außenminister Manuchehr Mottaki erklärte am Donnerstagabend, sein Land habe das "zionistische Regime niemals als rechtmäßige Regierung anerkannt".

Nicht das gesamte iranische Regime teilt die Meinung von Ahmadinedschad und Mottaki. Einflussreiche Geistliche in Teheran waren bemüht, die Wogen zu glätten. Der noch immer mächtige Ex-Präsident Akbar Haschemi-Rafsandschani betonte am Freitag in einer Predigt in Teheran, Iran respektiere sowohl Juden als auch das Judentum. "Wir haben keine Probleme mit Juden und dem hoch geschätzten Judentum als Buchreligion."

Israel bemüht sich unterdessen offiziell um einen Ausschluss Irans aus den Vereinten Nationen. Wie der israelische Rundfunk am Freitag berichtete, habe der israelische UN-Botschafter Dan Gillerman dem UN-Sicherheitsrat in New York ein entsprechendes Schreiben als Reaktion auf den Aufruf Ahmadinedschads übergeben. "Es ist erschreckend, dass der Präsident eines UN- Mitgliedstaates zur Zerstörung eines anderen Mitgliedstaates aufruft", heißt es in dem Papier der Israelis. "Kein Mitgliedstaat, der zu Gewalt, Tod und Zerstörung aufruft, wie es der iranische Präsident getan hat, verdient einen Sitz in dieser zivilisierten Institution, den Vereinten Nationen."

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, zeigte sich bestürzt über Ahmadinedschads Äußerungen. Er kündigte an, er werde nach Iran reisen und bei Gesprächen mit der Führung in Teheran bekräftigen, dass alle Länder in der Region das Recht haben, friedlich, in sicheren und anerkannten Grenzen sowie ohne Gewaltandrohungen zu leben.

Frankreich will seine europäischen Partner, vor allem Berlin und London, wegen der Affäre konsultieren. Paris gehe es darum, die Folgen der Äußerungen Ahmadinedschads für den europäisch-iranischen Dialog zu überprüfen, sagte ein Außenamtssprecher in Paris. Frankreich, Deutschland und Großbritannien hatten als EU-Trio mit Teheran über das iranische Atomprogramm verhandelt.